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Dig In Deep

Label: Frontiers Records (2012)

Die älteren Semester unter uns werden sich bestimmt noch an die Zeit erinnern, als man mit Heavy Metal nicht in erster Linie Gefahr und echte Rock'n'Roll Leidenschaft verband, sondern vor allem Spandex Hosen, tupierte Haare und süßliche Melodien und jede Menge Make-up. Das war Ende der 80er Jahre und kurz bevor ein paar handwerklich minderbegabte Musiker aus Seattle in Holzfällerhemden mit wehleidigen Liedern und ein paar geschrammelten Akkorden, die gesamte Posermetalecke über Nacht ins Abseits stellten.

Zu den Bands, die damals über die Klinge springen mussten, bevor sie überhaupt den Olymp des melodischen Metal erklimmen konnten, gehörten damals ohne Zweifel die Jungs von Tyketto mit ihrem charismatischen Sänger Danny Vaughn. "Dig In Deep" wurde in Originalbesetzung eingespielt und wurde in den letzten Jahren durch einige erfolgreiche Auftritte bei Classic Rock Festivals wie zum Beispiel dem Sweden Rock vorbereitet.

Tja, was soll ich sagen? Die Band klingt wie die Schnittmenge aus Foreigner, Survivor, Journey und Boston. Damit ist klar, wo es langgeht: Melodischer, durch die Produktion an vielen Stellen viel zu zahnloser (Hard)Rock, der vor allem bei der obligatorischen Ballade punkten kann, dazwischen zwar gutes, solides Handwerk bietet - aber eben nicht mehr. Die alten Fans von damals werden vermutlich verzückt zugreifen und dies auch nicht bereuen, aber echter Rock'n'Roll geht zumindest meiner Meinung nach anders.

Fazit: Nostalgisches für die sommerliche Cabrioausfahrt an den Baggerweiher, für Menschen, die mittlerweile ihr eigenes Reihenhäuschen besitzen und sich dabei an die Zeiten erinnern, als sie mit Vokuhila ganz nah dran waren an der echten Rebellion - oder zumindest dem großen Spaß.

Frank Scheuermann






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