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Fly Paper

Label: InsideOut (2008)

Die Dachziegel melden sich nach satten vier Jahren des Müßiggangs zurück und legen uns pünktlich zum Jahreswechsel acht neue Songs in den CD Player. Wer jetzt vom Progressive Rock Vierer aus Detroit die nahtlose Fortsetzung des 2004er Werks "Window Dressing" mit seinen düsteren, ausladenden und ausufernden Arrangements erwartet, der sieht sich schnell getäuscht. Die längsten Tracks sind nämlich gerade mal knapp über acht Minuten lang, was im Prog - wie jeder weiß - fast schon Singleformat ist...Stattdessen hat man die Keyboardanteile deutlich zugunsten eines sehr erdigen Gitarrensounds zurückgefahren. Das verdeutlicht schon die Eröffnungsnummer 'Hide In My Shadow', die trotzdem nicht mit Progelementen geizt.

Inhaltlich geht man mit "Fly Paper" einen Weg, der sich ein wenig vom oftmals allzu engen gedanklichen Konzept der meisten textlich sehr komplexen und verschachtelten Scheiben im Progressive Rock, unterscheidet. So sind sie nur durch die gedankliche Brücke "menschliche Verwundbarkeit" miteinander verknüpft und können somit auch wundervoll jeder für sich stehen.

Die Nähe von Spiel und Spaß einerseits, Tod und Zerstörung andererseits wurde in die Hüllengestaltung vortrefflichst eingearbeitet, zeigt sie doch einen aus einer Zeitung gefalteten Papierflieger, der über New York City schwebt. So wird denn aus einer Kinderbastelei nach 9/11 die Anspielung auf eine tödliche Bedrohung aus dem Nichts.

Bei der sehr kompakt strukturierten musikalischen Umsetzung haben sich die vier aus der amerikanischen Arbeitslosigkeitsmetropole in diesem Fall wieder einmal von Terry Brown unter die Arme greifen lassen. Die Älteren unter uns kennen ihn noch als den kongenialen Produzenten der kanadischen Prog-Götter Rush. Seine Mitwirkung hat bei Tiles schon Tradition, jedoch hat er einige alte Bekannte mitgebracht, die als Gastmusiker mitspielen durften. Der Bekannteste von ihnen dürfte Alex Lifeson, seines Zeichens Klampfer der vorgenannten Kanucks...

So verwundert es denn nicht, dass man als Fazit festhalten muss, dass "Fly Paper" sich zwar erheblich von seinem Vorgänger unterscheidet, jedoch auch eine Weiterentwicklung des typischen Sounds der Band darstellt.

Frank Scheuermann 






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