Reviews

The Ravages Of Time - The Best Of Threshold

Label: InsideOut (2007)

Best Of Compilations haben immer einen unangenehmen Beigeschmack: Mal stimmt man nicht mit der Songauswahl überein, mal möchte man die Tracks in einer anderen Dramaturgie erleben. Dann, wenn dies alles stimmt und ein gutes Gesamtkonzept abgibt, dann genügt meistens ein Blick auf den Kalender, und man weiß: Weihnachten steht vor der Tür. Auch in diesem Jahr werden wir wieder einmal mit all dem bedacht, von dem man glaubt, es uns als kulturell essentiell unter die Nase reiben zu müssen (neu im Weihnachtsprogramm: Best of Bob Dylan in mindestens drei verschiedenen Versionen, Best of Eric Clapton in mindestens zwei Versionen, sogar Led Zeppelin werden uns mal wieder (in mindestens zwei Versionen) kredenzt...). Und dann landet noch ein Doppeldecker in der Auslage unserer Plattenläden, der in diesem Umfeld ein wenig überrascht, da er anders ist: "The Ravages Of Time - The Best Of Threshold", die erste Anthologie der britischen Vorzeige-Progmetaller. In deren bandhistorischem Kontext ergibt die Zusammenstellung allerdings einen Sinn. Nachdem man sich im Sommer von seinem langjährigen Sänger getrennt hat, erscheint es sinnvoll, bis zum nächsten Studiotermin erst einmal Bilanz zu ziehen. Nachdem der Ausstieg wegen der schwierigen finanziellen Situation der Musiker stattgefunden hat ist auch nicht anzunehmen, dass diese Zusammenstellung Millionen einspielen wird. Musikalisch hatte man zwar nahezu alle Erfolge vorzuweisen, aber kommerziell hat sich das bislang noch nicht ausgezahlt.

Nun zur Musik: Die ist bei Threshold prinzipiell und traditionell über jeden Zweifel erhaben. Diese Best Of Kopplung bietet nun eine gute Werkschau aus den letzten 1,5 Jahrzehnten Threshold. Darunter Klassiker wie 'Sanity's End', das göttliche 'Oceanbound' oder den namensgebenden Track 'Ravages Of Time'. Zu diesem wirklich rundum glücklich machenden Programm gesellen sich einige bislang in dieser Form ungehörte Radio Edits, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass man die anspruchsvolle Threshold Musik auch auf ein FM-taugliches Format reduzieren kann, ohne dass sie wesentlich an Substanz verliert. Wenn man dann noch in Rechnung stellt, dass die Aufmachung höchsten Ansprüchen genügt, dann kann man diesen Sampler nicht nur Einsteigern in das Werk der sympathischen Briten ans Herz legen, sondern auch langjährigen Fans, die schon immer eine kompakte Werkschau für längere Autobahnfahrten haben wollten. Ich jedenfalls freue mich jetzt schon auf den Neustart mit einem neuen Sänger im nächsten Jahr!

Frank Scheuermann 






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