Reviews

Critical Mass

Label: InsideOut (2002)

„Für eine Band wie uns, die bereits dermaßen viele Songs geschrieben und veröffentlicht hat, ist es natürlich immer wieder eine besondere Herausforderung, sich nicht zu wiederholen. Besonders wichtig ist es, bereits einmal eingesetzte Sounds gegen neuere auszutauschen und variantenreichere Arrangements zu verwenden, ohne dabei auf die wichtigsten Bestandteile der eigenen Stilrichtung zu verzichten.“
Dieser Satz stammt von Threshold Gitarrist Karl Groom Bezug nehmend auf das neue Album „Critical Mass“. Allgemein hat diese Aussage sicherlich Gültigkeit für viele Bands, bei Threshold kommt jedoch erschwerend hinzu, dass die Engländer mit ihren bisherigen Alben, aber vor allem mit dem letzten Werk „Hypothtetical“ die Messlatte sehr hoch angesetzt haben, sodass man gespannt sein durfte, wie die Band ihre eigenen Vorgaben umsetzt. Auch wenn ich nur ungern mitten im Review bereits ein Fazit ziehe, so muss man doch den Hut davor ziehen, wie es die Briten immer wieder schaffen, sich selbst zu übertreffen. „Critical Mass“ rotiert nun schon seit einigen Tagen in meinem CD-Player und auch wenn es ein perfektes Album nicht geben kann, so sind Threshold ziemlich nahe dran. Die Scheibe genügt auch produktionstechnisch allerhöchsten Ansprüchen und zaubert ein Klangerlebnis hervor, dass dem Niveau des Albums einen würdigen Rahmen verleiht. Dass die Musiker über jeden Zweifel erhaben sind, steht außer Frage, doch die Mischung macht’s und hierbei kommt die große Stärke der Band zum Vorschein. Ein Rädchen greift ins andere, keines der Instrumente steht zu sehr im Vorder- bzw. Hintergrund, sondern ist Teil eines grandiosen Zusammenwirkens. Das einzige Stück, das etwas aus dem Rahmen fällt, ist der Opener ‚Phenomenom’, der aufgrund seiner Struktur etwas simpler gestrickt wirkt und nachhaltig sofort im Ohr hängen bleibt. Doch schon mit ‚Choices’ entfaltet das Album seine eigene spezielle Atmosphäre. Der Song beginnt etwas chaotisch, erst im weiteren Verlauf gibt die Rhythmusfraktion eine gewisse Linie vor. Geprägt durch einen genialen Refrain sowie mehrere Rhythmuswechsel und Soliparts bietet dieses Stück auch nach mehrmaligem Hören neue Facetten. ‚Fragmentation’ wirkt zu Beginn relativ verspielt, der Gesang sehr ruhig bevor auch hier stampfende Sounds eine härtere Gangart vorgeben, verzerrte Stimmmuster sowie ein Schlagzeuggewitter gegen Ende gestalten auch dieses Stück äußerst abwechslungsreich. Und wenn wir schon beim Gesang sind: Andrew Mc Dermott stellt wieder einmal unter Beweis, welch großartiger Sänge er ist und veredelt die Stücke mit seiner brillianten Stimme. Selbst die Ballade ‚Avalon’ wirkt zu keinem Zeitpunkt, wie bei anderen Bands, kitschig oder klischeebeladen. Als ob man das nicht mehr toppen könnte, folgt das Highlight erst zum Schluss: Der Titelsong ‚Critical Mass’, 13:35 Minuten lang, unterteilt in drei Akte: Atemberaubende Instrumentalpassagen, mitreißender Refrain sowie ein ruhiges, von Akustikgitarren begleitendes Outro beenden dieses Album auf grandiose Art und Weise.

Im progressiven Metal Bereich gab es in diesem Jahr schon einige starke Releases, doch Threshold setzten dem Ganzen die Krone auf. „Critical Mass“ ist definitiv ein Album der Superlative, ohne Wenn und Aber.

Oliver Bender






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