Reviews

Into The Labyrinth

Label: SPV (2009)

In den letzten Jahren lieferten Saxon zwar solide metallische Hausmannskost, aber die Versuchung, die jeweiligen Neuveröffentlichungen auch nach drei Monaten noch einmal aufzulegen ging jeweils gegen Null. Man durfte also gespannt sein, ob es dem ehemaligen Flaggschiff der NWoBHM noch einmal gelingen würde, richtig Fahrt aufzunehmen.

Mit dem Opener 'Batallions Of Steel' legen dann die Mannen um Biff die Messlatte unglaublich hoch. Diese Nummer ist das beste Saxon Stück seit der legendären 'Solid Ball Of Rock' vor fast zwei Dekaden. Ein melodischer und trotzdem hammerhater Metalbrecher, der zum sofortigen Bangen einlädt. Nachdem uns der gute Biff vor einigen Jahren die Rezeptur von Saxon CDs ("Es beginnt mit Heavy Metal, danach kommt dann etwas Rock'n'Roll und dann wieder ein wenig Metal!") verraten hatte, war es klar, was danach folgen würde: Ein schöner, starighter Rocker. Dieses Mal hört er auf den Namen 'Live To Rock'. Nett, aber nicht wirklich spektakulär. Doch was sich daran anschließt ist schon alleine das Geld für die CD wert. Die älteren Herren waren augenscheinlich letztes Jahr im Kino und waren wohl von Tim Burtons Musical (mit Johnny Depp in der Titelrolle) sichtlich beeindruckt, so dass sie dem psychotischen Barbier "Demon Sweeney Todd" ein eigenes Denkmal gesetzt haben. So brachial waren Saxon noch nie (und vergesst hier auch bitte 'Heavy Metal Thunder' vom legendären "Strong Arm Of The Law" Album!).

Das nächste Highlight ist auch nur einen Wimpernschlag entfernt, jedoch unvergleichlich epischer: 'Valley Of The Kings', ein Song, der sich thematisch mit der Entdeckung von Tut Ench Amuns Grab beschäftigt und mit Chören aufwartet, wie sie Blind Guardian auch einmal gerne hätten. Und dann das Solo...unglaublich!

Insgesamt dominieren auf "Into The Labyrinth" eher die metallischen Songs. Und das ist auch gut so. Allerdings ist für mich eines der Sahnestückchen überhaupt die Countryblues-Version des Killing Ground-Klassikers 'Coming Home'. Hier haben sich die Herren möglicherweise von ihren alten Kumpels Motörhead und deren 'Whorehouse Blues' inspirieren lassen. Dieser coole Ausklang bringt der Scheibe einen Effekt, den sie sonnst nie und nimmer erreicht hätte. Ganz großes Tennis, was Saxon uns hier auftischen. Seit zwanzig Jahren habe ich keine Platte der Legende mehr so genossen wie "Into The Labyrinth", und das, obwohl sie in ihrer Geschichte keine Gurken herumliegen haben. Für alle echten Metaller eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!

PS: Es gibt noch die limitierte Ausgabe mit einer ca. 70 minütigen DVD, auf der neben den üblichen Interviews auch ein Kurzfilm über Parzival (derjenige, der den Gral fand) enthalten ist, in welchem Biff den King Arthur gibt. Für Sammler von Kuriositäten bestimmt eine wertige Anchaffung, zumal der Preis bei Amazon nur einen schlappen Euro über dem der Normalausgabe liegt.

Frank Scheuermann






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