Reviews

A Bird's Eye View, Part 1

Label: Ray Phillips (2008)

Six Ton Budgie? Was ist das denn? Okay, vielleicht habt Ihr ja schon einmal von Budgie gehört? Nein, auch nicht? Okay. Ihr seid Metallica Fans und besitzt die "Garage Days" Platte? Gut, dann seid Ihr bestimmt einmal zu den Klängen von 'Crash Course In Brain Surgery' oder 'Breadfan' um den heimischen Küchentisch herumgemosht...

Diese beiden Songs stammen von einer der einflussreichsten Bands der 70er Jahre namens Budgie. In jedem Rocklexikon, das etwas auf sich hält stehen sie als eine der wichtigsten 70er Jahre Metal Bands. Allerdings hat es für die Musiker selten zum Leben gereicht. Und Six Ton Budgie war der Name, unter dem sich die Band 1968 oder 69 zuerst zusammengefunden hat. Nun veröffentlicht der Originaldrummer Ray Rhillips unter diesem Namen einige Songs noch einmal, die er schon in den 90er Jahren auf den Platten "Ornithology, Part 1" und "Unplucked" auf den Markt gebracht hat. Da er mit dem Sound unzufrieden war, hat er die letzten Jahre damit zugebracht, in seinem Farmstudio zusätzliche Gesangs- und Gitarrenparts einzuspielen und die Aufnahmen dadurch aufzuwerten. Mit dieser Platte, die man übrigens nur über Ray Phillips selbst (sixtonbudgie@sky.com) in einer schlappen 500er Auflage beziehen kann, möchte er seine Budgie-Vergangenheit endgültig abschließen und im Sommer 2009 mit seiner ersten Soloplatte übern Teich kommen. Der legendäre Musiker, der neben seiner ersten Band auch noch Sporen bei Freez und Tredegar verdient hatte, möchte jetzt in etwas härtere Gefilde aufbrechen.

Zur Musik: "A Bird's Eye View" hat einen Klang, der mich an Demobänder erinnert. Alles ist etwas im Hintergrund gehalten, trotz der zusätzlichen Aufnahmen. Dabei sind die Songs durchweg herausragende Beispiele für das Songwriting der 70er Jahre. Pay Phillips vernachlässigt ein wenig die Heavy Metal Pioniertaten seiner ehemaligen Band und spielt einen sehr schönen Folkrock, der wundervoll an ähnliche Großtaten seiner alten Band anknüpft. Kein einziger Ausfall hat sich auf die Platte geschlichen, jedoch wünscht man sich nach den ersten sieben oder acht Tracks etwas mehr Krach...Ich finde es schon erstaunlich, was Ray Phillips hier fast im Alleingang eingespielt hat, da er ja nicht nur trommelt, sondern auch fast alle anderen Instrumente höchstpersönlich arrangiert und bei den Aufnahmen umgesetzt hat. Als besonderem Fan aller keltischen Klänge hat es mir dabei die Instrumentalnummer 'Sea Of Ayr' angetan, die fast als neue walisische Nationalhymne durchgehen könnte. Richtiges Hardrockfeeling kommt nur bei 'Tell It Like It Is', 'You Need Respect', 'Pink Cadillac' und 'Three Legged Race' auf. Ansonsten herrschen die folkigen Momente vor.

Ich wünsche Ray Phillips das allerbeste, und vor allem, dass er eine große Plattenfirma findet, die bereit wäre, seiner ersten Soloplatte einen angemessenen Sound zu finanzieren, denn unter richtig professionellen Bedingungen könnte diese wundervolle Musik noch viel heller erstrahlen. Sehr sympathisch und als Ergänzung allen alten Budgie Fans zu empfehlen.

Frank Scheuermann






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