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Phoenix

Label: Metal Heaven (2006)

Mein lieber Tobi, da versucht aber jemand gewaltig, den großen Sammet zu machen! Ich musste beim ersten Hördurchgang tatsächlich erst mal nachprüfen, ob ich statt des Saidian Zweitwerks "Phoenix" nicht doch eine alte Edguy in den Schacht geworfen hatte. Ich glaube, ich übertreibe keineswegs, wenn ich behaupte, dass "Phoenix" auch als reinrassige Edguy-Scheibe durchgegangen wäre, die perfekt zwischen "Theater Of Salvation" und "Mandrake" gepasst hätte.

Aber soll ich euch ein Geheimnis verraten? "Phoenix" ist dermaßen schweinestark geworden, dass der Vorwurf der Kopiererei jedem am Arsch vorbeigehen dürfte, der heutzutage die orchestralen Elemente der Brüder aus Fulda vermisst. Als Beispiel seien hier nur mal das hammermäßige Doppel 'Ride On A Phoenix' und 'Praise The Lord' genannt, sowie der Gute-Laune-Überhammer 'Fallen Hero', dessen Hookline einem auch nach Wochen nicht mehr aus dem Ohr rutschen will. Genauso muss an dieser Stelle auch der Überhit 'Never Surrender' genannt werden, ein Melo-Speedster, der einfach nur groß ist!

Neben fluffigen Heiterkeitsausbrüchen bleibt aber auch hin und wieder genug Platz für getragenere Elemente wie das anfangs etwas langatmig wirkende, nach mehreren Durchläufen aber immer mehr wachsende 'Crown Of Creation', bei dem gar der große Jon Oliva (Savatage) kurzzeitig sein mächtiges Organ vibrieren lassen darf. Und mit dem etwas langatmig geratenen 'See The Light' hat sich leider ein Song eingeschlichen, der mit der Qualität der übrigen Stücke nicht ganz mithalten kann. Aber bei 13 Songs ist so was genauso zu verschmerzen wie das etwas alberne Ende des an Hammerfall erinnernden Tracks 'The Jester' (das Anfangsriff erinnert frappierend an den "Renegade"-Opener 'Templars Of Steel'). Jeder, der Edguy zu seinen Faves zählt, muss "Phoenix" eine Chance geben!

Michael Meyer