Reviews

Mezmerize

Label: Sony (2005)

Was soll man über System Of A Down sagen? Die Band ist einer der leuchtendsten Sterne am alternativen Musikhimmel und ist erfolgreicher als manche Popdiva, obwohl sie das Publikum mit Wahrheit, Ehrlichkeit und der Realität konfrontieren statt einem ein gutes Leben vorzududeln. 1994 wurde die Band von den armenischen Wahlamerikanern Serj Tankian, Daron Malakian, Shavo Odadjian und John Dolmayan in Südkalifornien gegründet. Ihr erstes, selbstbetiteltes Album war ein guter Anfang, aber „Toxicity“ brachte den ganz großen Durchbruch. Nach dem zwischengeschobenen „Steal This Album!“ kommt nun Teil 1 des Zwillingsalbums „Mezmerize / Hypnotize“.

Nach einem aussagekräftigen Intro namens ‚Soldier Side’ kommen die Jungs direkt mit ‚B.Y.O.B’ zur Sache, was nichts anderes heißt als „Bring Your Own Bombs“. Der Refrain im R’n’B-/Popstil ist mehr als deutlich und greift den amerikanischen Präsidenten deutlich wegen des Irakkriegs an. Der Song ist ein Ohrwurm ohne gleichen, der durch einen sehr genialen Rhythmus im Refrain und dem typischen SOAD Geschrammel Drumherum zur perfekten Auskoppelung wird. Danach wird es härter und die Jungs kehren zu ihren verrückten und doch genialen Songstrukturen zurück, die bereits auf „Toxicity“ überzeugen konnten. Man könnte jeden beliebigen Song herausgreifen, denn jeder Song des Albums bewirkt eine unbeschreibliche Sucht nach mehr. Nach dem zehnten Mal durchhören macht es immer noch Spaß auf die Play Taste zu drücken und dem zu lauschen was Serj zu sagen hat. Die Gestaltung von ‚B.Y.O.B’ findet man in gewisser Weise in ‚Sad Statue’ wieder, denn auch hier setzt sich der Refrain deutlich von den Strophen ab und lädt zum Mitsingen ein. Natürlich ist mit der Sad Statue nichts anderes gemeint als die Freiheitsstatue, die schon seit längerem nicht mehr das ist, was sie sein sollte. Nach dem einfachen, aber wirkungsvollen ‚Oldschool Hollywood Baseball’, das mit Synthieeffekten gestaltet wurde und doch mitreißendes Brett ist, kommt die einzige Ballade des Albums ‚Lost In Hollywood’. Der Titel ist melancholisch und gefühlvoll und kann die Stimmung des Hörers bis auf den Boden drücken, was nicht vielen Bands mit dem ersten hören gelingt.

Das Album ist ein Pflichtkauf und lässt einen sehnsüchtig auf „Hypnotize“ warten.

Winfried Bulach






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