Reviews

Engelskrieger

Label: Universal (2003)

Subway To Sally - Mittelalterliche Instrumente... Stop!
Subway To Sally - Traditionelle Musik und Lyrik... Stop!
Subway To Sally - ?

„Engelskrieger” lautet der Name des neuen Subway To Sally (STS) Outputs und das oben aufgeführte “?”, das als ein Attribut die neuen Platte charakterisieren soll, ist berechtigt dort platziert. Schon beim Blick auf die Tracklist stellt sich die Frage: „Sind das Subway?“ Moderne Titel wie ‚2000 Meilen unter dem Meer’ oder ‚Wolfstraum’ passen nicht in das bisherige Bild von STS mit Hofnarren und Dudelsäcken. Zwar wurden schon in den vorigen Alben aktuelle Themen behandelt, aber in einen mittelalterliches Gewandt gepackt; jetzt fällt diese ´Fassade´ und moderne Themen werden in moderne Kleider gepackt.

‚Geist des Kriegers’ heißt der Opener und schon werden die großen Einschnitte klar: Dunklerer, wahrhaftiger Gesang von Eric Fish verschmilzt mit harter gitarrenlastiger Rockmusik. Sehr überraschend, wenn man eine Fortsetzung der alten STS-Alben erwartet hat, trotzdem geht die Musik sofort ins Blut über! Spätestens mit ‚Falscher Heiland’, dem zweiten Song, ist man voll in der Musik gefangen. Noch nie hat Eric Fish solche Vielfalt seines Gesangs gezeigt, dunkel, provozierend und mit solcher Intensität bestückt, dass es den Hörer von Anfang an mitreißt. Fast ganz zurückgewichen sind die traditionellen Instrumente wie Dudelsack und Geige, nur ab und an tauchen sie in den Songs auf.

Die musikalische Vielfalt spiegelt sich in insgesamt 11 Songs wieder, allesamt im Nachhinein mit einer Story bestückt (die auf www.engelskieger.de und wahrscheinlich auch im Bookelt abgedruckt sind), die auf die Thematik des Liedes passt. In ‚Unsterblich’ beispielsweise, dem abwechslungsreichstem Song der Platte, versucht ein Aidskranker sich unsterblich zu machen, indem er mit einer Spritze sein Blut an andere weitergeben will. ‚Narben’, der von der Lyrik her mit Abstand krasseste Song (es wird beschrieben, wie jemand mit der Klinge seinen Arm herunterfährt und sich seines Blutes erfreut) hat zwar musikalisch einen wunderschönen Chorus, textlich aber ist er schrecklich reell. ‚2000 Meilen unter dem Meer’ und ‚Knochenschiff’ handeln von dem Wunsch zu sterben, musikalische Sahnestücke, insbesondere die qualvolle stimmliche Interpretation, unterstützt durch Geigenmusik des Refrains von ‚2000 Meilen unter dem Meer’, in der Eric sein ganzes Können zeigt. Auch eine Ballade darf nicht fehlen: Das ‚Abendlied’, mit der Thematik des Kindesmissbrauch, wird begleitet von Kindermusik und einer zahmen Stimme von Eric Fish, welches im perfekten Einklang mit den härteren Songs der CD steht und das gesamte Paket nahezu perfekt abrundet.

Subway To Sally schaffen es, abrupt einen anderen Weg mit Ihrer Musik zu gehen und trotzdem Subway To Sally zu bleiben. „Engelskrieger“ wird im ersten Drittel des Jahres veröffentlicht, ist aber für mich jetzt schon kaum mehr zu toppen und ohne Frage eine, wenn nicht die CD des Jahres - Pflichtkauf!

Thomas Schmitt






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