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Big Bang Theory

Label: Frontiers Records (2005)

So, Kinders, jetzt bekenne ich gleich einmal Farbe, auf dass mich die Hardcore Styx-Fans gleich abgrundtief hassen mögen: ich mag eigentlich von Styx nur die ersten vier Scheiben, da mir das Keyboardgeseier und die pseudobedeutungsschwangeren Keyboard- und Produktionsauswüchse von Herrn Dennis DeYoung zuweilen die Achselhaare gespalten haben.
Was passiert gewöhnlich, wenn der -ähem- musikalische Kopf die Gruppe verlässt? Nun, der „Rest“ arbeitet sich durch immer unbedeutender werdendes Material, bis irgendwann auch das kleinste Indielabel keinen Bock mehr hat, die Pfeifen zu finanzieren. In diesem Falle könnte man auf den ersten Blick auch etwas in dieser Richtung erwarten, da uns die musikalische Urknalltheorie lediglich Coverversionen bietet. Daher können wir erst einmal feststellen, dass diese Platte wohl kaum als Standortbestimmung herhalten kann. Da die Songs aber durchweg amtlich rocken und die Keyboards endlich auch bei Styx die dienende Funktion haben, die ihnen in der Rockmusik sowieso zukommt, kann man das vorliegende Sammelsurium als durchaus gelungen bezeichnen.
Darüber hinaus sollte sich jeder, der einmal wissen möchte, wie die Plattensammlung prominenter Musiker aus den 70ern aussieht, sich dieses Teilchen zumindest einmal ansehen.
Das Songmaterial stammt von The Who (‚I Can See For Miles’), den unvermeidlichen Beatles (‚I Am The Walrus’), den Allman Brothers (‚One Way Out’), Free (‚Wishing Well’) oder Jethro Tull (‚Locomotive Breath’). Die Balance stimmt und die bluesigeren Stücke werden im gleichen Maße authentisch gespielt wie die echten Rocker. Auch wenn mit einer solchen Tribute-Platte natürlich nicht die Musikgeschichte neu definiert wird, macht das Anhören selbstredend Spaß. Auch sich selbst covert man mit der alten Hymne für die Arbeiterklasse, ‚Blue Collar Man’. Wenn Styx bei den Konzerten der anstehenden Deutschlandtour genauso zu Werke gehen, dann möchte ich sie trotz aller Vorbehalte gerne sehen.

Frank Scheuermann






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