Reviews

Soultrash

Label: Eigenproduktion (2004)

In Deutschland schlummern einige Talente, die eingehender Betrachtung bedürfen. Soweit so gut, doch diese zu finden ist nicht immer leicht, zu groß ist der Markt. Umso erfreulicher, dass die CD dieser Herren mit dem Namen „Soultrash“ sich einfach bei mir im Player eingefunden hat. Ich hätte wohl ansonsten nie von dieser Band gehört. Stringface kommen aus dem Süden unserer Republik (dort wo es den Menschen vieeel besser geht als im Norden Deutschlands), genauer gesagt aus Dischingen. Dort hat sich ein kesser Dreier seit 1995 dem modernen Thrash Metal verschrieben, wie ihn einst schon Pantera fabrizierten. Gerade die Brachialität im Midtempo erinnert auf wohlige Art an die Texaner, ebenso das dissonante Quietschen der Gitarren. Doch abkupfern tut man nur stilistisch, eigene Ideen sind zu hauf vorhanden. Die Songs sind meist auch im mittleren Geschwindigkeitsbereich angesiedelt und scheinen fast alle kurz gehalten, was aber auch am Unterhaltungswert der Scheibe liegen mag. Was hier gespielt wird ist einfach unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Band erst ihr zweites selbst produziertes Album an den Mann bringen will. Sehr gutes Songwriting und klasse Ohrwurmrefrains werden geboten und das liegt vor allem am Sänger, der im harten tieferen wie auch klaren Bereich völlig überzeugen kann. Manchmal würde ich etwas System Of A Down heraushören, aber eigentlich klingt er wie eine eigenständige Mischung aus etwas Powermetalgesang und etwas Dreck in der Stimme. Die Produktion zeigt sich vielleicht etwas schwachbrüstig, kann aber trotzdem überzeugen (wenn man keine Kopfhörer anzieht), da bei Thrash Metal ein bisschen Scheppern erlaubt ist. Ebenfalls überraschend ist die Dichte der starken Songs, es gibt praktisch keinen Ausfall, einzig der letzte Song, der auch aus dem stilistischen Rahmen fällt, da er etwas gothisch angehaucht ist, kann nicht überzeugen, aber der Rest hat Wiedererkennungswert und verdammt guten Groove. Anspieltipps wären ‚Burning‘, ‚King Of Lies‘ (mit kurzem Metallicazitat), ‚Blood Of Suicide‘. Fans von brachialem, eigenen, modernen Thrash sollten hier mehr als ein Ohr riskieren. Richtig gut.

Christian Kremp