Reviews

Stratovarius

Label: Soulfood Music (2005)

Der FC Bayern wurde mal auf Grund interner Probleme und seiner Außendarstellung als FC Hollywood getauft. Diesen Titel hätte man, lässt man mal die letzten Monate Revue passieren, auch getrost den Mannen von Stratovarius verleihen können: Streitigkeiten, Tolkki’s Alkoholprobleme, Rücktritt mehrerer Mitglieder, eine neue Sängerin und dann noch wieder nicht, Versöhnung, ein Song namens ,Hitler’ macht die Runde für die Scheibe; langweilig war es selten im Lager der finnischen Power Metal Stars. Umso verwunderlicher, dass es nun offensichtlich geschafft haben, private und berufliche (Kommunikation-)probleme beiseite zu schieben und einen neues Album zu veröffentlichen. Dazu passt auch, dass die neue Scheibe einfach nur Stratovarius heißt: Ein Sinnbild für die neue Harmonie? Wir werden es sehen…

Das Album startet mit der Singleauskopplung ,Maniac Dance’, die man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Musikalisch ist diese Nummer einfach gestrickt und geht somit sofort in die Gehörgänge über. Timo Kotipelto singt zudem bei diesem Stück überraschenderweise etwas tiefer, was jedoch kein Trend für die weiteren Songs des Albums einleitet. Im weiteren Verlauf trällert er wie gewohnt in höheren Regionen. Die folgenden Tracks ,Fight!!!’ und ,Just Carry On’ bestechen durch schöne Keyboardeinlagen und dürften insbesondere live auf Grund des guten Rhythmusgefühls gut wegkommen. Letztgenannter Song erinnert im Chrous ein wenig an ,Forever Free’, ob Absicht oder nur Zufall weiß nur die Band selbst. Leider Gottes flacht die Scheibe nach diesem zugegebenermaßen starkem Beginn deutlich ab. Auffallend ist vor allem, dass die Band kaum noch Songs im Stile von ,Black Diamond’ oder ,Hunting High And Low’ bietet, die sie zu den Vorreitern einer ganzen Generation gemacht haben. Am ehesten kommt hier noch ,Gypsy in Me’ an diese Kategorien heran, wobei man auch bei diesem Song einige Tempobremsen eingebaut hat. Die folgenden Nummern wie ,Back To Madness’ ,The Land Of Ice And Snow oder ,Leave The Tribe’ klingen austauschbar, versacken in Midtempobereich und bieten nichts besonderes. Das Stück ,Götterdämmerung (Zenith Of Power)’ bietet epische und atmosphärische Ansätze, nervt aber gegen ende nur noch durch die stetige Wiederholung des Chorus, ,The Land Of Ice And Snow’ reiht sich in die Garde mittelmäßiger Balladen ein. Bei all diesen Punkten hilft es auch nicht, dass die Produktion diesmal stratovarius-untypsich deutlich rauer ausgefallen ist, sprich: Die Gitarren agieren nicht mehr in schwindelerregenden Höhen, dafür ist die Präsenz von Jens Johansson deutlich zurückgeschraubt worden. Timo Kotipelto setzt sein Goldkehlchen wieder bestens in Szene, kann jedoch die zum Teil durchschnittlichen Songs nicht retten. Mit dem straighten und traditionell gehaltenen ,United’ schafft man einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss.

Die neue Scheibe gefällt um einiges besser als „Elements Pt. II“, wobei es auch nicht schwer war, diese zu übertreffen. Dennoch bleibt mit diesem Album das erhofft starke Comeback der Finnen aus. „Stratovarius“ ist ein solides Album, dem die ganz großen Highlights abgehen.

Oliver Bender






Musicload