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Forever And More

Label: SPV (2003)

Wenn ein Musiker länger als fünf Jahre bei einem Label beschäftigt war und er sieht sich nach einem neuen Vertrag um- was passiert dann? Richtig, seine alte Plattenfirma haut auf dem schnellsten Wege eine Best of-Scheibe raus. In diesem Falle besteht die Kollektion aus zwei runden Tellern und bietet 24 Songs. Schon der erste Blick offenbart die Misere dieser Zusammenstellung: 14 der insgesamt 24 Songs, die das Beste aus dem Schaffen des Hannoveraners darstellen sollen, finden sich nur in Live-Versionen, will besagen: sie stammen aus einer anderen Schaffensperiode des Künstlers und die veröffentlichende Plattenfirma hält nicht die Rechte an den Originalen. Und wenn man (selbst als lebenslanger Fan) den Output von Herrn Schenker nur halbwegs realistisch einstuft, dann weiß man, dass nach 1983 nur noch sehr bedingt Klassiker von ihm hervorgebracht worden sind. So tummeln sich denn auch auf „Forever and more“ vornehmlich Belanglosigkeiten von den elektrischen (Adventures Of The Imagination und Dreams And Expressions) und den akustischen (Thank You 1 und Thank You 2) Instrumentalalben- eher hingeworfene Riff-Skizzen als Songs- und bestenfalls Durchschnittsware der MSG-Alben „The Unforgiven, Written In The Sand und Be Aware Of Scorpions. Die echten Klassiker wurden von den beiden Live-Alben „MS Story Live“ und „The Unforgiven World Tour“ genommen, wobei jede (!) Originalversion der legendären Studioalben geiler und fetter klingt, als die von mäßig begabten Begleitmuckern dargebotenen blutleeren „Coverversionen“. Die Not wird vor allem da deutlich, wo 4 UFO-Songs die Löcher stopfen sollen, dazu ein Song der Scorpions (Another Piece Of Meat) und Songs aus der Gary Barden und Graham Bonnet Phase. Dazu eine Nummer die auf die Zeit mit Robin McAuley zurückgeht. Sicher, Herr Schenker hat die Rock- und Metalgeschichte um einige Meilensteine bereichert, aber diese liegen a) sehr weit in der Vergangenheit und werden b) von seinen derzeitigen Kirmesmusikern nicht adäquat rübergebracht. Wer sich wirklich einen Überblick über sein Schaffen besorgen möchte, dem seien ein UFO-Sampler und eine Anthologie der frühen 80er Jahre empfohlen. Diesen Sampler benötigt man nur als Die-Hard-Fan, der jede Veröffentlichung im Schrank haben möchte. Lediglich der von der Firma versprochene „special price“ mag als zusätzliche Kaufrechtfertigung dienen.

Frank Scheuermann






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