Reviews

Live - The Blues Nights

Label: Mystic Records (2002)

Der König ist tot. Lang lebe der König. Nur wenige Wochen vor seinem Ableben, wurde diese feine Scheibe auf dem rührigen Mystic-Label veröffentlicht. Die Jüngeren unter uns werden mit dem Namen Samson wohl nur äußerst bedingt etwas anfangen können, ordnen diesen Namen nur in die Geschichte des Umfelds von Iron Maiden ein, das Bruce Dickinson mit dieser Band seinen Durchbruch als Heavy Shouter erzielte. Nun ist Paul Samson tot, wurde im letzten Herbst dahingerafft vom Krebs, gegen den er so lange angekämpft hatte. Doch bevor ich eine Trauerrede halte, kommen wir lieber zu den angenehmen Fakten: er hat uns eine Scheibe hinterlassen, die zwar für sein Lebenswerk nicht repräsentativ ist, die jedoch Klasse genug besitzt, alle Pseudo-Blueser aus der Hard’n’Heavy-Szene auf die Ränge zu verweisen. Im Vergleich zu Herrn Samsons Gefühl bei einem Klassiker wie ‚Albatross’ (Peter Green’s Fleetwood Mac) wirkt Gary Moore’s ‚Still Got The Blues’ wie ein japanische Reiskocher auf 45.

Die Aufnahmen stammen aus der Zeit zwischen 1995 und 1997, als der gute Paule mit unterschiedlichen Bands, mal als Bandleader, mal als angemieteter ´Gunslinger´ mit prominenten Musikern aus der Blues-Szene auf Tour war. So beginnt die CD mit vier Songs, die mit Ric Lee’s Breakers eingespielt wurden, der Kapelle des legendären Woodstockveteranen, der schon zu Ten Years Afters „I’m Going Home“ die Kessel rührte. Begleitet wurden die beiden noch von Ian Ellis an Bass und Gesang, der dieser Pflicht schon bei Savoy Brown, den sagenumwobenen britischen Heavybluesern nachkam. Mit wechselnden Musikern arbeitet er sich dann durch drei Songs von einem Peter Green-Tribute, die alle respektabel daher kommen. Weniger bekannt sind in unseren Breiten die Chicago-Blueser vom Richard Black Project, von und mit denen Paul Samson drei Songs zum Besten gibt. Zum krönenden Abschluss gibt es noch zweimal Samson, die Band, mit Paul an Gitarre und Leadgesang: 1x ZZ Top (‚Fool For Your Stockings’) und 1x Jimi Hendrix (‚Voodoo Chile (Slight Return)’) und eine eher unbekannte Nummer mit Namen ‚Louise’. Summa summarum: mit dieser CD, die z.T. äußerst eklektisch daherkommt, hat Paul Samson kurz vor seinem Ableben seine Reifeprüfung abgelegt und bewiesen, dass er als einer der ganz wenigen Heavy Gitarristen auf diesem Planeten auch ein unglaubliches Gespür für den Blues hatte! We miss you, Paul! RIP!

Frank Scheuermann






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