Reviews

From Lizard Rock!

Label: Membrane Records (2009)

Auf unglaublich vielen Veröffentlichungen und mit unedlich vielen Stars hat Miller Anderson mitgespielt: Keef Hartley Band, Savoy Brown, T.Rex, Mountain, Spencer Davis Group etc. Dass man seinen Namen trotzdem kaum kennt, liegt vermutlich daran, dass seine Solokarriere (abgesehen vom genialen 1971er Erstlingswerk "Bright City") erst vor sehr kurzer Zeit wirklich losgegangen ist. Auf der in Deutschland im letzten Jahr aufgenommenen Scheibe "From Lizard Rock!" arbeitet er sich denn auch durch die eigene Musikgeschichte. Erwartungsgemäß liegt denn auch der Schwerpunkt auf Stücken aus seiner legendären Phase bei der Keef Hartley Band, mit der er ja schließlich schon das Woodstock Festival beackert hatte. Gerade diese Nummern klingen ohne die Originalbläsersätze, lediglich in Quartettbesetzung (guitar, organ, bass, drums) etwas knackiger als damals, wobei ihnen der Charme einer alten, knarzigen Hammondorgel belassen wurde.

Daneben finden sich dann traditionelle Blues- und Folksongs wie 'Rambling On My Mind', 'House Of The Rising Sun' oder das auch durch Rory Gallagher weithin bekannte 'As The Crow Flies'. Ergänzt wird dieses wundervoll aufgenommene Werk durch meine beiden persönlichen Lieblingssongs: 'Everybody Loves A Drinking Man' und 'Boogie Brothers' (beide habe ich noch als 7'' in unserer Wurlitzer stecken!), die sich damals auf der Savoy Brown Platte von 1974 befanden (nannte sich auch "Boogie Brothers"). Gerade diese Phase noch einmal live gewürdigt zu hören, jagt mir eine Gänsehaut nach der anderen über den Körper. (War damals eine Hammerband, bei der neben Miller Anderson noch Kim Simmonds und Stan Webb als weitere Sologitarristen an Bord waren… muss live ein brachiales Gitarrenfeuerwerk dieser drei Götter gewesen sein!).

Von all den CDs, die ich in jüngerer Vergangenheit bekommen habe, läuft diese mit großem Abstand am häufigsten. Das ist zwar von der Grundausrichtung her Bluesrock - aber auch weit mehr. Miller Anderson versteht die gesamte Klaviatur des Gitarrenrock - und davon ist der Blues eben nur ein ein Ausschnitt, wenngleich ein wichtiger. Diese Platte ist wirklich jedem Gitarrenfreak uneingeschränkt ans Herz zu legen. Stilvolle Gitarrenarbeit ohne Frickelallüren! Mehr davon!

Frank Scheuermann






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