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Saitensprung

Label: F.A.M.E. Recordings (2009)

Kann eine Instrumentalscheibe, die fast ausschließlich mit Geige, Bass und Schlagzeug eingespielt wurde, über die gesamte Distanz einer CD musikalisch fesseln und den Zuhörer begeistern? Nun, ich muss zugeben, dass ich vor der ersten Hörprobe dieser zweiten Soloplatte der Schandmaul Geigerin eher skeptisch war. Ihre Spießkumpane bei "Saitensprung" (und wer ist beim Saitensprung schon alleine?) stammen als Rhythmusfraktion von der Letzten Instanz und sind somit ebenfalls keine unbeschriebenen Blätter.

Die studierte Geigerin setzt bei dieser Platte auf eine bunte Mischung aus Eigenkompositionen, die eher folkig-rockig rüberkommen, bis hin zu klassischen Stücken, die in modernen Arrangements feilgeboten werden. Daneben gibt es noch an Weltmusik erinnernde Momente, wie zum Beispiel 'Nimbu Pani', das ziemlich orientalisch anmutet. Aber den stärksten Eindruck hinterlassen zweifelsohne Edvard Griegs 'In der Halle des Bergkönigs' oder die Bach Adaption. Köstlich auch die augenzwinkernde James Bond Hommage 'Geschüttelt - nicht gerührt'.

Unterm Strich bleibt also eine angenehme Platte einer handwerklich perfekten Musikerin, die auch bei der Covergestaltung keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich in ansprechender Pose ins rechte Licht zu rücken. Für Rockfans auf jeden Fall ein erster Schritt der Annäherung an klassische Gefilde. Ob der Schritt in der anderen Richtung genau so leicht vollzogen werden kann bleibt fraglich. Trotzdem eine mehr als nette Angelegenheit.

Und um noch einmal auf die Ausgangsfrage einzugehen: Jawohl, sie kann!

Frank Scheuermann






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