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Dreilochbegehbar und Herrenrundentauglich

Label: Locomotive Music (2006)

Muss man noch etwas zu den ewigen Assipunks sagen? Die selbsternannte schlechteste Band der Welt, die dermaleinst Probeverbot an ihre Mitglieder verhängt hat, schlägt mit „Dreilochbegehbar und Herrenrundentauglich“ gleich das dritte Mal seit der Rückkehr aus dem Ruhestand zu.

Die Erfinder des Nothing-Core bleiben dem Zuhörer auch dieses Mal wieder nichts in punkto vulgärer Trivialphilosophie schuldig. Die Texte sind - wie immer - so gehalten, dass sie auf allerunterstem Stammtischniveau funktionieren, aber auch von Feuilletonisten der Zeit durchaus mit einigem Wohlwollen wieder als existentialphilosophisch verbrämt werden können. Musikalisch hat sich grundlegend auch erst einmal wenig geändert, man schwingt zwischen Punk, Hardcore und Metal hin und her, stets darum bemüht, ein Zuviel an Transparenz beim Sound möglichst zu vermeiden. Das hat bei der Lieblingsband der Ärzte durchaus Tradition, auch wenn mich ein wenig mehr Sound auch freudiger zuhören ließe. Trotzdem stimmt der Spaßfaktor. Allerdings muss ich schon aufpassen, dass meine andere Hälfte möglichst beim Anhören nicht in der Nähe ist, da sie die humoristischen Fingerzeige nicht unbedingt verstehen würde... Ein besonderes Schmunzeln zaubert mir allerdings eine genial-gruselige Coverversion (auch das hat bei A.O.K. durchaus Tradition) aufs Gesicht: dieses Mal hat es Deutschlands führenden Chansonier Reinhard Mey erwischt, dessen ‚Über den Wolken’ euphorisierend-dilettantisch unter dem schaurigen Namen ‚Luftaufsichtsbaracke’ durch die gesamte Kakaoernte Mittelamerikas gezogen wird.

Schöngeister halten bitte wie gewohnt einen 200m Sicherheitsabstand um A.O.K.-Produkte, Funpunks und Leute ohne Berührungsängste vor Fäkalsprache in tausendfältigen Variationen greifen bedenkenlos zu.

Frank Scheuermann






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