- Prelude
- The Darkest Red
- Scars Of Your Disease
- Screams Turn To Silence
- Sacrifice
- Prey
- Procession
- Suffer
- My Dark Desire
- Scapegoat
- Forever Abandoned
Label: Roadrunner Records (2005)
Und ich falle immer wieder drauf rein. Wann werde ich endlich lernen, dass wenn eine Band von sich selbst behauptet, ganz ohne irgendwelche musikalischen Vorbilder auszukommen, einen komplett neuen, eigenen Musikstil erschaffen zu haben, es in der Regel Humbug ist? Und diesmal hätte es mir direkt wie Schuppen von den Augen fallen sollen, dass wenn dieselbe Gruppe ihre Musik als eine Mischung aus schwedisch Death Metal und groovy HC beschreibt, die ganze Geschichte auf eine ziemlich wilde Version des Metalcores hinauslaufen wird. Nicht, dass wir ja inzwischen schon längst den Überblick über all die verschiedenen Metalcore Gruppen verloren hätten, doch das ist eine andere Geschichte.
The Agony Scene ist ein junges Quintett aus Tulsa. Ja, genau dem Tulsa in Oklahoma, das ein tristes Kaff in einem desolaten Zustand, abgeschieden ohne irgendeine Form von Musikszene ist. Sich also weit ab von der Zivilisation zu einer solchen Musiksparte berufen zu fühlen finde ich beeindruckend, doch ich lebe ja auch nicht in Tulsa. Allerdings ist genau diese Konstellation für die Band wohl extrem wichtig gewesen, weil sich genau diese Lebensweise auf die Denkweise und den Humor der Band ausgewirkt hat. Musikalisch sind Vergleiche zu anderen Bands tatsächlich ziemlich schwer, jedoch weniger weil es an Vertretern der gleichen Sparte mangelte, spontan fielen mir da Aversion oder The Kiss Of Death ein, sondern weil The Agony Scene sehr viel weniger musikalische Qualität mitbringen. Dies kann man nicht mal durch die fabulöse Überproduktion überspielen. Das Album ist meiner Meinung nach so was von überproduziert, dass sich die Aufnahmen teilweise schon übersteuert anhören. Immer wieder wird der böse schwedische Death Metal ausgebremst und von melodischem Gesang á la Emil Bulls unterbrochen. Das kann man zweimal, vielleicht auch dreimal auf einem Album machen, doch nicht permanent! Das Resultat sieht so aus, dass sich jedes verdammte Lied auf dem Album gleich anhört.
Das geliebte HC Shouting fehlt völlig und das furchtbare Death Metal Gekreische, kombiniert mit dem noch furchtbareren Emo Geheule, getragen von dem doch recht chaotischen Geballer dazu, formiert sich zu einer musikalischen Streitaxt, die mich beim Hören doch ziemlich zermürbt.
Tim Ruhl