Reviews

Diary In Black

Label: AFM Records (2003)

´Cooler Name´ war mein erster Gedanke, als ich das neue Album von Rawhead Rexx aus dem Briefkasten fischte. Da ich in meinem bisherigen Dasein von dem Schaffen der Band keine Kenntnis nahm, konnte ich die Sache recht unbefangen angehen. Noch während ich mir den ersten Song ‚Return Of The Dragon’ anhöre, steckt die Band schon in einer Schublade drin: Entweder deutscher oder schwedischer Herkunft, kitschige Lyrics, 08/15 Melodien. Doch es folgen ja auch noch 11 weitere Stücke und die haben einiges zu bieten...
Fangen wir doch mal bei meinen Thesen an, so falsch lag ich hierbei gar nicht: Die Jungs stammen aus deutschen Landen, Sänger Jürgen Volk dürfte einigen noch aus seiner Zeit bei Glennmore bekannt sein. Die Thematik der Songs ändert sich auch im weiteren Verlauf des Albums nicht, was mir aber angesichts des Materials am Allerwertesten vorbei geht, den Rawhead Rexx fahren mit „Diary In Black“ schwere Geschütze auf und hinterlassen einen ähnlichen Eindruck wie ein Fußabdruck von Godzilla. Mal davon abgesehen, dass der Opener trotz seiner Affinität zu schwedischen Vorlieben mit einem absolut geilen Soli Frickel Part aufwartet, geht die Mehrzahl der Songs in Richtung traditionellen US Metal, die Band erinnert hierbei stellenweise an ihre deutschen Kollegen von Brainstorm. Rawhead Rexx erfinden den Metal nicht neu, im Gegenteil: Viele Riffs hat man schon mal gehört, doch die Jungs spielen straight drauf los, glänzen durch ein enormes Spielverständnis und bieten packende, mitreißende Metalstampfer. Nehmen wir z. B. mal ‚The Machine’, der Anfangsriff ist so einfach, dass er schon wieder genial ist und ehe man sich versieht, bangt man schon mit. So ergeht es einem bei fast allen Stücken. Zwischendurch gibt es auch mal Ausreißer wie ‚Brother In Arms’ und ‚Metal Way’, die ein gehöriges Maß an Tempo und Power vorlegen. Frontmann Jürgen Volk ist eigentlich der typische Metalshouter, klare und hohe Stimme. Doch während andere Sänger mit ihrem Gejohle einfach nur nerven, trifft er mit seiner Stimme den Nerv des Zuhörers und macht den gewissen Unterschied aus. Seine hohen Vocals in Kombination mit den aggressiven Backgroundvocals (z. B. ‚Evil In Men’) ergeben eine explosive Mischung. Keyboards werden auf dieser Scheibe gar nicht erst zugelassen, die Gitarren sind trumpf, verpackt in einer druckvollen Produktion lassen es Rawhead Rexx ordentlich krachen. Hätte man nach dem 10. Song Schluss gemacht, gäbe es bis auf die Ballade ‚What If’ nix zu meckern, so hat man mit ‚Saint And Sinner’ (nerviger Refrain) und ‚Six Feet From The Edge’ (siehe ‚What If’) auch noch etwas schwächere Tracks drauf, was man aber gerne verzeiht.

Absolut empfehlenswerte Scheibe, die gehörig in den Hintern tritt!

Oliver Bender






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