Reviews

Rosenrot

Label: Universal (2005)

Extrem produktiv, ist das erste was einem einfallen muss, wenn man das neue Rammstein Album in den Händen hält. Nur ein Jahr ist seit „Reise, Reise“ vergangen und während dieser Zeit war die Band auch noch auf Tour. Dennoch haben sie es geschafft genug Songs zusammenzubekommen um ein schlüssiges Album mitsamt einem Konzept aufzubauen. Ein Teil der Stücke stammt noch aus der Recording Session zum vorigen Album, der andere Teil wurde dieses Jahr eingespielt, dennoch bildet alles zusammengenommen eine Einheit.

Einige klangliche Analogien zu Album Nummer Vier sind durchaus nicht zu verleugnen. Diesmal haben Till und seine Jungs Goethe und die Gebrüder Grimm verschmelzen lassen um den Titeltrack ‚Rosenrot’ zu erschaffen. Der klare Gesang, den man in dieser Form sonst nicht von Rammstein gewohnt ist, eignet sich perfekt um die gewollte Stimmung zu verbreiten, die den Hörer sofort mitreist. Wie immer bearbeiten die Berliner die verschiedensten Probleme der Gesellschaft, ob sie sich nun um die männliche Homosexualität (‚Mann gegen Mann’), den Urtrieb (‚Zerstören’) oder um einen Irrtum (‚Spring’) drehen. Eine Gastsängerin hat sich an ‚Stirb nicht vor mir / Don't Die Before I’ beteiligt, die niemand geringerer ist als die Frontfrau von Texas: Sharleen Spiteri. Durch sie bekommt das Stück eine noch breitere emotionale Basis, welche den Konsumenten innerlich berührt, wie es seinerzeit ‚Ohne dich’ getan hat. Das oben erwähnte Lied ‚Zerstören’ könnte vom Text und der Aggressivität so wie es auf die Platte gepresst wurde genauso gut von Knorkator stammen, die sich ebenfalls gerne mit sich reimenden Songs um scheinbar sinnlose Themen beschäftigen. Es bleibt noch ein Werk hervorzuheben, welches total vom gewohnten Stil der Gruppe abweicht: ‚Te Quiero Puta!’, was soviel heißt wie „Ich liebe dich Frau aus dem ältesten Gewerbe der Welt“. Nicht nur, dass die Vocals komplett auf Spanisch sind, nein Trompeten im spanischen Stil runden das Gesamtbild ab, das wieder einmal die Einzigartigkeit und Kreativität der Musiker unterstreicht.

Wer behauptet „Rosenrot“ ist ein aus Abfallprodukten der „Reise, Reise“-Session zusammengesetzter Silberling, der irrt sich völlig. Die CD ist ein vollwertiges, konzeptionell stimmiges Stück Musik, welches nur wenig schlechter ist als sein Vorgänger, was sich aber angesichts des kurzen Zeitraums zwischen den Veröffentlichungen mehr als verschmerzen lässt: Pflichtkauf!

Winfried Bulach






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