Reviews

Scorpions Revisited

Label: UDR (2015)

Ich glaube, ich stehe als Scorpions Fan der (fast) ersten Stunde nicht alleine da, wenn ich den guten alten Zeiten mit Michael Schenker bzw. noch essentieller mit Uli Jon Roth nachtrauere. Und dass von den nachweislich besten Platten der Hannoveraner in den letzten 30 Jahren normalerweise kein einziger Song auftaucht (außer "In Trance" alle Schaltjahre!), ist schwer zu ertragen, wenn man sich statt dessen Grütze wie "Wind Of Change" und "Still Loving You" und diesen Pseudo-Metal der 80er anhören muss (über die 90er hüllen wir jetzt einmal gänzlich den Mantel des gnädigen Schweigens). Genauso schade fand ich es immer, dass auch Uli Jon Roth sich eine halbe Ewigkeit live nicht mehr an diese Juwelen deutschen Musikschaffens herangemacht hat. Inmitte all seiner halb-klassischen, halb-esoterischen Sky Guitar-Dudeleien konnte man froh sein, wenn er versehentlich einmal "Hiroshima" von Electric Sun zum besten gab. Nun sind diese Zeiten hoffentlich rum. Der Althippie hat endlich 18 der besten (und zu einem großen Teil relativ unbekannten) Nummern mit den Scorpions aus der Zeit zwischen 1974 und 1978 noch einmal aufgenommen. Die Produktion ist soweit gut, die Band macht ihr Zeug wirklich klasse und der Gesang ist erfischend anders als der von Klaus Meine vor irca 40 Jahren (und damals wer er noch richtig gut!). Uli hat es sich nicht nehmen lassen, seine alten Gesangsparts wieder selbst zu übernehmen. Einen Grammy für Best Male Vocal Performance wird er auch heuer nicht dafür einsacken, aber zumindest bei mir kommen dabei nostalgische Gefühle auf. Der Schwerpunkt der Songs liegt tendenziell bei "In Trance" und "Virgin Killer" - von "Taken By Force", auf dem schon solche strittige Nummern wir "He's A Woman, She's A Man" (was will ein esoterisch angehauchter Mensch wie Uli Jon Roth mit dieser Travestienummer aus der Feder von Drummer Herman Rarebell?????) enthalten waren, kommen nur die mystisch angehauchten "Sails Of Charon" (einer meiner all-time Faves!) und das geniale "We'll Burn The Sky". Ergänzt wurde die Scheibe durch ein klassisch angehauchtes Intro zum 1974er Scorpions Klassiker "Fly To The Rainbow". So, Jungs, und jetzt bringt diese geilen Songs endlich wieder auf die Straße. Zur Not muss Matthias Jabs halt endlich mal Gitarrenunterricht nehmen, dann können sich die Scorpions auch mal wieder daran trauen... ;-)

Ein wundervolles Wiederhören!

Frank Scheuermann
8/10






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