Reviews

Under A Dark Sky

Label: Steamhammer (2008)

Ich gehöre zu einer langsam aussterbenden Spezies. Vor gut dreißig Jahren war ich Fan einer aufstrebenden deutschen Hardrockformation, die gerade mit Platten wie "In Trance", "Virgin Killer" oder "Taken By Force" auf dem Weg war, Japan zu knacken. Dann der Schock: Nach der Japantournee und der dabei aufgenommenen Live Doppel-LP "Tokyo Tapes", bis heute das Schmuckstück in Oeuvre dieser Band, trennte sich der Leadgitarrist von der Truppe. Für beide sollte die Welt danach nie wieder die gleiche sein wie vor diesem Schritt. Die Rede ist natürlich von den Scorpions einerseits und Uli Jon Roth andererseits, dem ebenso exzentrischen wie genialen Gitarristen.

Nach seiner Zeit bei den späteren Superstars aus Hannover legte Uli Jon Roth mit seiner stark an Jimi Hendrix orientierten Band Electric Sun gleich stark los, nur um nach zwei Veröffentlichungen wieder in der Versenkung zu verschwinden. Mitte der 80er dann das nächste Lebenszeichen, bei dem es sich auch Nicky Moore (ex-Hackensack, ex-Tiger und ex-Samson) nicht nehmen ließ, mit seinem Gesang die eine oder andere Nummer zu veredeln. Danach war wiederum Schicht im Schacht und Herr Roth ließ sich nurmehr alle Schaltjahre zu einer Platte überreden. Der Schwerpunkt rutschte im Lauf der Jahre immer weiter in Richtung Klassikadaptionen, bei denen die von ihm selbst kreierte Sky-Guitar ihre elysischen Klänge der Stratosphäre entgegenheulte und –jubilierte. Warum erwähne ich all dies? Nun, "Under A Dark Sky" wurde uns als erste echte Rockplatte von Uli Jon Roth in Äonen angepriesen.

Dies ist ein Urteil, dem ich mich bestenfalls in Teilen anschließen kann. Natürlich ist es mehr Rock als seine Vivaldi-Adaptionen vor einigen Jahren. Aber wer jetzt fette Knaller der Marke 'Steamrock Fever', 'Speedy's Coming' oder 'We'll Burn The Sky' (von 'Fly To The Rainbow' ganz zu schweigen!) erwartet, der wird bitter enttäuscht sein. Vielmehr ergeht sich die Platte in durchaus schönen Arrangements, die auch manche Ayreon CD veredelt hätten, nur dass Uli Jon Roth nicht nur gniedelt. Unterstützung findet er dabei im 'Sky Orchestra' und im 'Sky Choir' (welch wirklich überraschende Namen!). In Zeiten überambitionierter und untertalentierter Opernschmonzetten erscheint dieses Material doch handwerklich über jeden Zweifel erhaben, auch wenn sich nahezu alles im Midtempobereich abspielt. Dazu tragen auch die göttlichen Gesangsparts von ex-Yngwie Malmsteen und Ring Of Fire-Sirene Mark Boals bei, der sich immerhin auf fünf der insgesamt zehn Nummern in die Gehörgänge der Hörer arbeitet.

Fazit: Keine Überscheibe, aber allemal empfehlenswert für Freunde charismatischen Gitarrenspiels und klassischer Strukturen. Wer also progressiven Stoff mag oder Scorpionsfan der ersten Stunde ist, der kommt sowieso nicht umhin, sich diesen Deckel zu besorgen.

Frank Scheuermann






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