Reviews

III - So Long Suckers

Label: Spinefarm Records (2007)

Erste Frage: Habt Ihr Zeit? Ich meine: Habt Ihr Zeit? Also: Ich meine: Habt Ihr wirklich viel Zeit? Könnt Ihr diese Frage ganz klar und eindeutig mit "Ja" beantworten? Wirklich? Gut, dann habt Ihr die erste Hürde genommen, die nötig ist, Reverend Bizarre genießen zu können.

Zweite Frage: Ist für Euch Heavyness gleichbedeutend mit Schnelligkeit? Anders formuliert: Braucht Heavy Metal unbedingt Tempo? Wenn Ihr diese Frage eindeutig mit "Nein" beantworten könnt, dann seid Ihr definitiv bereit für Reverend Bizarre!

Die finnischen Doom-Monster haben sich bei ihrer Suche zur Entdeckung der Langsamkeit an ihren dritten und letzten Streich gemacht. Planungsgemäß haben sie sich pünktlich zur Veröffentlichung von "So Long Suckers" (welch passender Titel!) aufgelöst! Ihr Konzept war von Beginn an auf drei CDs angelegt und nun zieht man konsequent seinen Stiefel durch und löst sich auf, nachdem man zwei seiner 15 Minuten + Doomtrümmer in den Top Ten (!) der finnischen Charts untergebracht hatte. Reverend Bizarre erreichen phasenweise eine solche Langsamkeit, dass es dem ungeübten Zuhörer kaum noch möglich ist, einen Rhythmus auszumachen. Dazwischen gesellen sich dann in den schnelleren Parts deutliche Anleihen bei Saint Vitus, Black Sabbath und Candlemass, ohne allerdings zu irgendeinem Zeitpunkt deren Fröhlichkeit und Ausgelassenheit zu erreichen. Für mich stellt "So Long Suckers" einen eindeutigen und kaum mehr zu toppenden Extrempunkt im (immer noch) melodischen Doommetal dar. Dieser Trümmer ist fett und bleischwer wie kaum eine andere Platte, die ich kenne. Und dass dieses Monument mit sieben Songs und einer Gesamtspielzeit von satten 130 Minuten daherkommt, setzt noch einmal ein fettes Ausrufezeichen hinter das soeben Gesagte. Wenn Ihr auch nur halbwegs mathematisch zurechnungsfähig seid, dann habt Ihr schon errechnet, dass die durchschnittliche Tracklänge bei knapp 20 Minuten liegt…! Unglaublich, monumental, epochal. Dabei muss man aber gewillt sein, sich auf Riffs in fast endlos scheinenden Schleifen einzulassen. Wenn man dann durch beide CDs durch ist, ist das wie bekifft sein ohne Dope…Hypnotisch. Solltet Ihr keine Zeit mitbringen und schnell auf den Punkt kommende Songs bevorzugen, dann kann ich Euch nur raten, die Finger von diesem Meisterwerk zu lassen. Doomjünger werden dieser Scheibe jedoch einen Ehrenplatz in ihrem Schrein schleppender Heiligtümer einräumen.

Frank Scheuermann






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