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Paper Blood

Label: Frontiers Records (2005)

Egal, wie man zu symphonischem Hardrock stehen mag: in den letzten anderthalb Jahrzehnten war immer Verlass auf die Dänen von Royal Hunt, wenn es um perfekten traditionellen Rock/Metal mit deutlichen Klassikbezügen ging.

Das liegt wohl unter anderem daran, dass Andre Andersen (Keyboard) ein echter Vollblutmusiker und Workaholic ist. Neben einem feinen Gespür für tragende Melodien und große Arrangements zeichnet ihn noch die Fähigkeit zu sensiblen und intelligenten Texten aus. Gerade die symphonischen, aber zu keinem Zeitpunkt schwülstigen Arrangements sind es, die Royal Hunt aus der Masse der Imitatoren herausheben. Wenn Streichinstrumente auch nur in die Nähe eines Tonstudios kommen, dann entsteht fast zwingend ein Geruch nach Wiener Feingebäck und Salzburger Nockerl. Bei den dänischen Proggies erfüllen diese jedoch eine Funktion, die lediglich als musikdienlich zu betrachten ist.

Dabei erfreut mich in erster Linie die Integration unterschiedlichster Zitate und Stilelemente. So finden sich beim Refrain von ‚Not My Kind’ Gesangsarrangements, die der Kenner von Yes aus der 90125-Phase kennt (hier sei nur an die Acapella-Version von ‚Leave It’ erinnert). Dabei werden Motive aus der Rockgeschichte zitiert und zu einer sehr eigenen Royal Hunt Melange verrührt. Ob man sich mal näher an Rainbow orientiert oder am melodischen US-Metal der 80er (bzw. an schwedischen Vorläufern) spielt dabei keine Rolle. Royal Hunt bleiben auch auf dem vierzehnten Tonträger ihrem Wesen treu und verstehen es, das bisher Erreichte zu sichern und auszubauen. Dabei bleibt -den unbestrittenen Fähigkeiten der Mitmusiker zum Trotz- festzuhalten, dass der wichtigste Mitstreiter von Herrn Andersen immer noch Sänger John West ist, der den Songs seinen Stempel unverkennbar aufdrückt.

Eine tolle Scheibe für alle Freunde progressiv angehauchten Hardrocks / Metals!

Frank Scheuermann






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