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Dedicated To Chaos

Label: Roadrunner Records (2011)

Es gab mal eine Zeit, in der konnten Queensryche nichts falsch machen. Man bewegte sich innerhalb des Genres Heavy Metal hin und her, war meistens eher progressiv, manchmal aber auch fast im Power Metal Bereich. Dieses Gebiet verließ man erstmals mit dem 1994er Output "Promised Land", die so gar nicht heavy war, dafür aber mit einem unglaublich dichten Songwriting aufwarten konnte. Danach stieg Chris DeGarmo, Gitarrist und Hauptsongwriter, aus. Ab diesem Moment war im Queensryche-Lager nie wieder etwas wie zuvor. Seitdem eierte die Band zwischen Beatles-Songmaterial, unnötigen Soundexperimenten, Fortsetzungen ehemaliger Geniestreiche und relativ relevanten Neuansätzen hin und her.

"Dedicated To Chaos" befindet sich am Epizentrum der künstlerischen Orientierungslosigkeit. Natürlich sind die beteiligten Musiker handwerklich über jeden Zweifel erhaben, aber sie verbreiten über die gesamte Spieldauer der CD die gleiche Aura der Frustration, wie es Robert Plant auf seinem Output seit dem Ende von Led Zeppelin tut. Statt sich auf die bekannten Großtaten zu konzentrieren und das zu tun, was man am besten kann, versucht man auf Teufel omm raus innovativ zu sein. Und das funktioniert in einzelnen Fällen, aber über die gesamte Spieldauer der CD wird das immer ärgerlicher.

Pardon, aber ich will einen großartigen Metal Shouter wie Geoff Tate einfach nicht rappenm hören, das geht nicht an. Ich möchte intelligente Gitarrenriffs in vielschichtigen Arrangements hören. Okay, lassen wir der Scheibe ein Stück Gerechtigkeit angedeihen - wie Geoff Tate zum Besten gibt, ist "Dedicated To Chaos" ein "Kopfhöreralbum". Das stimmt. Beiläufiges Hören ist nicht angesagt. ABER: Erfahrene Musiker wie Queensryche sollten wissen, dass es eben auch wichtig ist, den Zuhörer auch beim ersten Hören zu bekommen mit zwingenden Ideen und Melodien. Und genau das schafft "Dedicated To Chaos" zu keinem Zeitpunkt. Und so gesehen, wenn ich die Wahl haben zwischen Chaos (Dedicated To Chaos) und Ordnung (Rage For Order), dann fällt die Entscheidung definitiv nicht schwer: Ordnung!

Jungs, macht endlich das, was Ihr auch wirklich könnt! Und die endlosen Wiederholungen von John Lennon-Textzeilen ("All You Need Is Love") retten definitiv nicht eine CD, die zwar interessante Ansätze verfolgt, aber eben nicht mehr! Und sind wir ehrlich: Wer möchte schon eine Mahlzeit zu sich nehmen, die "interessant" schmeckt? Eben, ich zumindest nicht!

Frank Scheuermann






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