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Scarsick

Label: InsideOut (2007)

In den letzten Jahren hat uns Daniel Gildenlöw so einiges zugemutet - sowohl im Positiven als auch im Negativen. Blieb nun also abzuwarten, wie seine Stammband Pain Of Salvation den Ausstieg seines Bassisten-Bruders verkraften würde. Das extrem sperrige Vorgängerwerk "Be", das sowohl in einer Studioversion als auch in einer live aufgenommenen DVD Edition vorliegt war zugegebenerweise eher schwer verdaulich, nicht nur wegen seiner tief schürfenden ontologischen Ansätze, sondern auch wegen seiner sehr inhomogenen musikalischen Strukturen.

"Scarsick" steuert hier wieder ein wenig zurück in Richtung klar erkennbarer Songstrukturen, die sich allerdings niemals in die profane Belanglosigkeit der niederen Chartprofilierungsversuche anderer Interpreten verlieren. Dabei streift man geschickt Anklänge an Pop ('America'), lässt sich ein Intro rappen ('Scarsick') oder schießt einen Song aus der Hüfte, der -würde der metallische Zwischenpart fehlen- aus dem Soundtrack eines 70er Jahre John Travolta-Films stammen könnte ('Disco Queen').

Das gesamte Produkt bleibt sperrig genug, obwohl die Herren Gildenlöw & Co. Auch nicht an süßlichen Melodien und kernigen Riffs sparen, um Anbeter von "Be" weitere Tränen der Verzückung in die depressiven Augen zu treiben. Andererseits ist man wieder so eingängig, dass auch Freunde von "12:5" durchaus einmal ein Ohr riskieren dürfen. Textlich schrauben die Schweden weiterhin an ihrem Konzept zwischen Sozialkritik und Psychoanalyse. Somit hat jeder Fan auch die Möglichkeit, wenn ihm die Musik zu komplex ist, über das Textblatt ein wenig den Geheimnissen seiner (womöglich eigenen) Seele auf die Spur zu kommen. Sehr interessant.

Frank Scheuermann 






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