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Heritage

Label: Roadrunner Records (2011)

Eines war schon im Vorfeld der Veröffentlichung klar: Opeth würden mit "Heritage" eine Platte auf den Markt bringen, die so überhaupt nichts mit dem Sound aller Vorgängerscheiben zu tun haben würde. Damit meine ich nicht nur die reine Death Metal Frühphase. Sondern auch die Mischung aus Death Metal und Progressive Rock der Marke Pink Floyd, den die Band seit ihrer Bekanntschaft mit Porcupine Tree Mastermind Steven Wilson so famos entwickelt hatte. Auch die Jazzpassagen von "Ghost Reveries" sind komplett verschwunden. Was also bietet "Heritage", was bieten Opeth im Jahre 2011?

Wenn ich es auf einen Punkt bringen sollte, dann würde ich mich zu der steilen Behauptung hinreißen lassen, dass "Heritage" am ehesten mit King Crimson in deren Besetzung von 1972-74 zu vergleichen ist, nämlich die Besetzung mit Robert Fripp, John Wetton und Bill Bruford. Wie kommt es dazu? Nun, "Heritage" hat kaum Songs, die direkt eingängig sind. Alles klingt gleichermaßen sperrig und intellektuell. Eine sehr verkopfte Platte, die trotzdem eine unterschwellige Emotionalität ausstrahlt. Die Songs, die in Teilen skizzenhaft wirken, sind wie vom Reißbrett und werden durch die Instrumentierung, die aus einem Instrumentenmuseum der frühen 70er Jahre stammen könnte, sehr organisch transportiert.

Vorbei sind die Zeiten der Brutalität bei Opeth (obwohl ich Mikael Akerfeldt zutraue, sie irgendwann wieder einmal auszupacken!). Jetzt wird eine mutige Version des progressiven Rocks zelebreirt, die nich an kurzlebigen Charterfolgen orientiert zu sein scheint. Wer solche Musik macht, der muss sich daran gewöhnen, bei Tourneen auf Billardtischen zu schlafen. Insofern bietet "Heritage" mutige und interessante Musik, die aber ein wenig Gebuld braucht, damit sie sich in ihrer ungewöhnlichen Schönheit erschließt.

Frank Scheuermann






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