Reviews

Century Child

Label: Drakkar (2002)

Sie sind wieder da mit einem neuen Album - die finnische Gothic Formation um die sowohl charismatisch als auch wunderschöne Sängerin Tarja Turunen und Bandkopf Tuomas Holopainen. „Century Child“ heißt das neueste Meisterwerk und hat einige handfeste Überraschungen parat: Zum einen versucht sich Keyboarder Tuomas nicht mehr - wie bei „Angels Fall First“ - an den Vocals, für diesen Part ist jetzt der neu für Bassist Sami Vänska eingestiegene Marco Hietala verantwortlich. Qualitativ ein absoluter Gewinn für Nightwish, war Marco doch schon bereits als Leadsänger in einer anderen Band vertreten und weiß genau, was zu tun ist. Seine häufigen Einsätze geben der Musik ihre gewisse Erfrischung und machen Nightwish interessanter, da man den typischen Sound doch gewohnt ist. Des Weiteren haben sich die sympathischen Finnen eines neuen Elementes in ihrer Musik bedient: der Aggressivität. Mit ‚Slaying The Dreamer’ wurde das bis dato härteste und aggressivste Nightwish Stück auf CD gepresst. Auch hier ist die Stimme von Marco Hietala in für Nightwish Verhältnisse sehr aggressiven und verzerrten Verhältnissen vertreten, dazu sich enorm in der Geschwindigkeit und Härte steigernde Drums - ein geiler Song! Zwar ist hier nicht mehr eindeutig der Nightwish Sound zu erkennen, trotzdem kann man die Handschrift von Tuomas Holopainen lesen, der es in diesem Song exzellent versteht, die liebliche Stimme von Tarja perfekt im Einklang mit der harten Musik zu setzten. Im Gegensatz zu ‚Slaying The Dreamer’ ist aber auch wieder eine wunderschöne Ballade mit ‚Forever Yours’ vertreten, einem Song, bei dem Sehnsuchtsgefühle aufkommen. Nightwish-typische Songs wie z.B. ‚End Of All Hope’ oder ‚Ocean Soul’ sind aber genauso auf „Century Child“ vertreten wie die untypischen Songs, zu denen auch die Nightwish Interpretation von Andrew Lloyd Webber’s Musical ‚Phantom Of The Opera’ gehört, bei der man die gesangtechnische Klasse und Ausbildung sowohl von Tarja als auch Marco in den häufigen Tönänderung im Duett erkennen kann. Mit einem original Symphonie Orchester hat man zudem nicht nur bei diesem Lied einen weiteren Schritt nach vorne gemacht.

Im Ganzen kann ich nur sagen, dass Nightwish durch eine kleine Veränderung auch für Kritiker wieder interessant wird, da man nicht auf der Erfolgswelle des Vorgängeralbums einfach nur weiterreitet, sondern durch Neuerungen auch etwas riskiert. ´Riskiert´ ist aber eigentlich zu spitz ausgedrückt, da diese Platte zu 100% zahlreiche Freunde finden wird - und nicht nur, weil die Band Nightwish heißt!

Wenn „Wishmaster“ ein Erfolg war, in welche Dimensionen wird dann erst „Century Child“ vorstoßen?

Thomas Schmitt