Reviews

Dark Passion Play

Label: Nuclear Blast (2007)

Was wurde nicht alles über die neue Sängerin und das neue Album spekuliert und geschrieben. Und jetzt, wo die Single schon einige Wochen die Massen beschäftigt und das neue Werk in den Startlöchern steht, kann man die Reaktionen hierauf nur als typisch deutsch bezeichnen. Annette sei eine Durchschnittssängerin ohne eigenes Profil, die Single austauschbar und das neue Album kompositorisch bei weitem nicht so stark wie beispielsweise der Vorgänger "Once". Obwohl dies das erfolgreichste Album der Bandgeschichte (und auch des Labels) war, kamen damals die gleichen Stimmen auf, zu massenkompatibel, die Stimme zu wenig metal-like. Wie man's macht...Kommen wir nun zu den Fakten: Tarja ist Geschichte, "Dark Passion Play" und Anette die Gegenwart, passend zum letzten DVD-Release der Beginn einer neuen Ära.

Das Album beinhaltet 13 Tracks und wurde ebenso wie der Vorgänger mit vielen Orchesterpassagen versehen. Auch wenn das Werk laut Tuomas das melancholischste und düsterste Nightwish Album darstellt, so spiegelt dies die Musik im Gegensatz zum damaligen "Century Child" nicht wirklich wieder. Natürlich sind viele dramatische Parts, alleine schon durch die klassischen Einflüsse, vorhanden, dennoch ist "Dark Passion Play" ein frisches und lebendiges Werk, dass wie alle anderen vorherigen Alben auch seine ganz eigene Note hat. Die Scheibe startet recht untypisch mit dem 13-minütigen Epos 'The Poet And The Pendulum' (so sollte ursprünglich auch das Album heißen) und fährt gleich zu Beginn die volle Bandbreite auf: balladeske Züge, engelsgleiche Chöre, einen prägnanten Chorus, Orchesterpassagen und Markos aggressive Leads. Mit dem darauf folgenden 'Bye Bye Beautiful' hat die Band einen Song im Stile von 'Slaying The Dreamer' hervorgezaubert, der im Chrous von Marko nahezu durchgeschrieen wird. Nach der allseits bekannten Single-Auskopplung 'Amaranth' folgt mit 'Candence Of Her Last Breath' auch der Beweis für all diejenigen, die bei Nightwish die harten Sounds vermissen. Hier darf sich Gitarrist Emppu mal richtig austoben, die prägnanten Gesangslinien, von Annette, unterstützt durch Markos dezente Backing Vocals, prasseln mit richtig viel Power aus den Boxen. Mit 'Master Passion Greed' fährt die Band mit bis dato unbekannten Thrash Elementen und hervorstechendem Bass Sound auf, ein sehr atmosphärischer Song, der am besten zu Tuomas düsterer Thematik passt und mit das aggressivste Stück ist, dass Nightwish je geschrieben haben. Zur Beruhigung folgt mit 'Eva' die standesübliche Ballade. Das anschließende 'Sahara' stellt einer meiner persönliches Faves dar, ein Song zum Entspannen und Genießen, der vor epischen Elementen nur so strotzt und typisches Filmmusikfeeling aufkommen lässt. Die treibende Halbballade 'For The Heart I Once Had' sowie das Instrumental 'Last Of The Wilds' komplettieren den musikalischen Stimmungsbogen. Schwächen sind auf "Dark Passion" nicht auszumachen. Wenn überhaupt, haben sich mit 'Whoever Brings The Night' und '7 Days To The Wolves' zwei Songs eingeschlichen, die nicht ganz mit dem Niveau der restlichen Stücke mithalten können.

Gesanglich fällt auf dieser Scheibe auf, dass Markos Parts deutlich zugenommen haben, auch wenn Anette die dominierende Stimme ist. Stilistisch ist die Schwedin natürlich ein ganz anderer Typ als die opernhafte Tarja und damit auch alles andere als eine Kopie. Die neue Sängerin gefällt durch ein sanftes, aber dennoch ausdrucksstarkes Organ, mit dem sie die Stimmungen der einzelnen Songs sehr schön widerspiegelt. Gesanglich ist sie ohnehin über jeden Zweifel erhaben, sodass das neue Pärchen am Mikro eine sehr gute, erste Vorstellung abgibt.

Die Finnen haben mit Tarja eine großartige Sängerin verloren, keine Frage. Wer in der Vergangenheit die Formel Nightwish = Tarja aufstellte, wird mit dem neuen Material ohnehin nichts anfangen können, auch wenn es musikalisch nach wie vor typisch für die Finnen ist. Als Band hat die Truppe mit "Dark Passion Play" abermals eine erstklassige Scheibe kreiert, die von einer erfrischend anderen Sängerin großartig interpretiert wird. Das Warten hat sich gelohnt, Nightwish sind zurück wie Phönix aus der Asche. So let the "Dark Passion Play"!

Oliver Bender






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