Reviews

Harvest

Label: Century Media (2007)

Naglfar are back und das gewaltig! Seit nun mehr 12 Jahren beglücken uns die Herren aus dem Lande Ikeas mit ihren wütenden, hasserfüllten Sound und mit "Harvest" schließt sich so zusagen nun ein Kreis!

Unbeeindruckt fliegen einem die von Misanthropie getränkten Texte ins Gesicht und in die Gehörgänge, jedoch hat sich musikalisch das Antlitz ein wenig geändert. Weg vom spartanischen Old-School-Black hinzu einer unheilvollen Allianz zwischen blastigen Death-parts und einer kaum zu erwartenden harmonischen Klangwelt in Moll, um es mal so zu bezeichnen. Die 12 Jahre in der Musikbranche und deren Einflüssen und Entwicklungen blieben nicht ohne Folgen. Nach wie vor sind Naglfar majestätisch, erhaben und zu gleich unheilvoll, aber die Melodiestränge sind ausgewogen, teilweise erklingt manch ein Hassbolzen als eine Art Ohrwurm auf Grund der klanglichen Komposition. Harte Gitarren, hyperblast Attacken des Schlagzeugs allenthalben, der verachtende Gesang, alles noch da, aber trotzdem haben die Herren eine noch nie dargewesene Klangwelt mit dieser Intensität an Atmosphäre produziert.

Diese "Änderung" lässt sich schon mit dem Opener 'Into The Black' erhören. Begonnen wird einem Gitarrenpart der sich durch seine Ruhe auszeichnet, aber trotz allem auf das drohende Böse hinweist. Dem folgen die allseits bekannten und beliebten Blastparts, trotzdem wird die oben erwähnte Klangwelt durch die den Takt des Schlagzeugs nicht haltenden Gitarren unterbrochen. Die Gitarren sind die Träger der Atmosphäre. Außerdem treten vermehrt Breaks und Midtempo-Parts auf, die den Song ähnlich einer klassischen griechischen Tragödie das Gewisse etwas geben. Oder auch der Song 'The Mirrors Of My Soul', der sich durch seine Eingängigkeit ausweist und sich hier die Intension durch den Gesang getragen wird, kaum eine Änderung in Rhythmik oder Tempo, es sei denn der Text erfordert dies.

Alles in allem ein ungemein facettenreiches Album, mit dem Naglfar ihre Fanbase erweitern dürfte. Dieses Album zeichnet sich durch seine Intensität und Abwechslung aus, durch das Spiel zwischen Gesang und Gitarren, die immer wieder abwechselnd die Atmosphäre tragen.

Mein Tipp: Ein geniales Werk, mein persönliches Lieblingsalbum von Naglfar, gemessen an den Vorgänger-Alben ohne diese degradieren zu wollen. Eine Meisterleistung des Schaffens! Daumen hoch!

Carsten Rothe