Reviews

Inferno

Label: SPV (2004)

Fett!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!*

* Okay, die Form dieser Kritik hat durchaus etwas mit meiner Eitelkeit zu tun, nämlich meiner Eitelkeit, die kürzeste Plattenkritik aller Zeiten zu schreiben. Daher müsst Ihr Euch jetzt durch die viel kleiner geschriebene Fußnote quälen. Andererseits ist allerdings mit dem oben geschriebenen Wort alles gesagt! Trotz erheblicher Konkurrenz durch zeitgleich erscheinende tolle CDs hat es das neue Machwerk von Lemmy & Co. auf eine schier obszöne Heavy Rotation sowohl in meinem Auto CD-Player als auch auf der heimischen Anlage gebracht. Und der Grund dafür ist simpel: seit „Ace of Spades“ 1980 hat mich keine Platte von Motörhead mehr so angemacht. Alle Nummern (außer dem abschließenden „Whorehouse Blues“ gehen direkt auf die 12 und werden von Mickey Dee, Phil Campbell und Mister Kilmister so tight vorgetragen, dass man sich wundert, wie eine Band überhaupt so spielen kann. Simple, aber effiziente Strukturen waren schon immer ein wichtiger Bestandteil der Bandchemie des Hardrockurgesteins, aber was man diesmal zwischen die Plastikdeckel gepresst hat lässt einem vor Freude nicht nur den Hut hochgehen! Dabei meistert man die Gratwanderung zwischen Punk, Metal, Hardrock und Country Blues (ja, richtig gelesen: Country Blues!) mit einer Coolness, die den Neid der Zuhörer zur Kunstform erhebt! Hier sieht man mal wieder den Beweis: The Lem gehört zur alten Garde, die einfach nur Rock’n’Roll spielen will, jenseits von Genregrenzen. Dabei wird er (mal wieder) von seinem Basssound unterstützt, der (mal wieder) mehr mit einer brachialen Rhythmusgitarre als mit einem Bass zu tun hat. Darunter liegt (mal wieder) eine Schlagzeugarbeit, deren Bassdrumparts alleine schon den Kauf der CD rechtfertigen würde und Phil Campbells Gitarrenparts, die endgültig beweisen, dass es einen rechtmäßigen Motörheadgitarristen nach Fast Eddie Clarke gibt. Insgesamt haben wir es also mit einer typischen Motörheadplatte zu tun, nur dass dieses Mal alle Trademarks sich zu einem echten Killermonster von einer CD verdichten. Oder, wie hat Mickey Dee im Interview so trefflich erklärt: „Über das neue Album kann ich ohne Probleme behaupten, dass es gut geworden ist. Die Platte rockt so richtig (...). Ich kenne persönlich keine Band, die der Presse negative Dinge über das jeweilige Album erzählt. So etwas gibt es nicht. Jeder sagt doch immer: Oh ja, die neue Platte ist unsere Beste und rockt so richtig. Und dann geht die Scheibe total unter. 6 Monate später heißt es dann plötzlich: Das letzte Album? Ach ja, das war total kacke. Dabei wussten sie es schon beim letzten Gespräch. Wir können so etwas schon im Vorfeld zugeben. Uns fällt es nicht schwer, über schächere Platten die Wahrheit zu sagen. So sind wir halt.“ Und mit dieser Platte haben sie erst recht keinen Grund, sich zu verstecken. Das einzige Problem könnte darin bestehen, in ein oder zwei Jahren einen angemessenen Nachfolger ins Rennen zu schicken. Für alle, die fetten Rock unendlich geil finden gibt es daher keine Entschuldigung dafür, diese Platte nicht zu kaufen. Es sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt, dass sich Griffbrettstuntman Steve Vai bei Terminal Show und Down on me die Ehre gibt und den guten Phil unterstützt (was es allerdings nicht gebraucht hätte....). Wenn ihr nur schnell genug zugreift, dann könnt ihr vielleicht noch die Bonus DVD-Version im Digipak abgreifen, bei der es u.a. die Videos zu „Serial Killer“ und „Brave New World“, einen Ausschnitt von „25 & Alive Boneshaker“ und eine 21-mintige Doku zu sehen gibt. Also ran an den Speck!

Frank Scheuermann






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