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Grand Materia

Label: Black Mark Production (2005)

Die Geschichte der Bollnäs-Barden ist für Nicht-Eingeweihte nicht gerade einfach zu verstehen; nach 5 Alben verlassen Sänger Charles Rytkönen und Klampfer Tony Eriksson die Band und machen unter dem Banner Lefay weiter, während der Rest der Truppe eine weitere Platte unter dem Namen Morgana Lefay veröffentlicht. Nun erscheint ein neues Album unter dem alten Namen Morgana Lefay, das zu 4/5 der Lefay-Jungs eingespielt wurde. Mit anderen Worten: Morgana Lefay sind zurück, auch wenn die Scheibe eher eine weitere Lefay-Scheibe ist. Verwirrend, aber egal. Lefay ist schließlich in musikalischer Hinsicht Morgana Lefay, und so kann es dem Hörer egal sein, dass Charles Rytkönen und seine Mitstreiter die Rechte am alten Namen nun ihr Eigen nennen.

Tatsache ist jedenfalls, dass die Band an ihren Stil, den sie Mit „The Seventh Seal“ und „…----…“ perfektioniert hatten, anknüpfen können und mit einer weiteren Hammerscheibe vorstellig werden. Keine Keyboards, keine Kinderlieder-Melodien, hier regiert meistens die stählerne Faust, die dem Hörer u. a. mit dem Titeltrack und dem grandiosen, gänsehäutigen ‚Hollow’ gewaltig die Fresse poliert. Nebenbei haben die Buben sich auch nicht gescheut, kleine Experimente einzugehen und klingen bei einem Song wie ‚Edge Of Mind’ gar wie eine Pantera-mäßige Variante von Savatage; Dimebag-Riffs treffen auf den Jon Oliva-Gesang von Rytkönen, der dem dicken Wodka-Gourmet aus Florida manches Mal zum Verwechseln ähnlich klingt. Inmitten des Songs schleicht sich dann gar ein Maiden-Lead von hinten heran und macht den Aha-Effekt perfekt. Wer es eher beschaulich mag, dürfte mit Songs wie dem ruhigen ‚Only Endless Time Remains’ und dem moderaten, düsteren ‚On The Other Side’ gut bedient sein, einem Song, der auch auf Savatages Mega-Werk „Gutter Ballet“ nicht fehl am Platze gewirkt hätte.

Der einzige Schwachpunkt dieser ansonsten meisterlichen Platte hört auf den Namen ‚Emotional Sanctuary’. Moderne Gitarrenarbeit trifft auf einen weinerlichen Refrain, dem die Durchschlagskraft der anderen Songs fehlt. Zwar durch ein weiteres melodisches Lead aufgelockert, kann er dennoch nicht gegen den Titeltrack, das oben erwähnte ‚Hollow’ oder das melodisch-powervolle ‚I Roam’ anstinken.

Das an frühe In Flames, bzw. an melodische Soilwork erinnernde ‚Angels Deceit’, der Melodik-Bolzen ‚The Operation Of The Sun’, der Nevermore-lastige Stakkato-Kracher ‚Blind’ (mit Neu-Metal-artigen Schrei-Einlagen, die glücklicherweise nicht an den Nerven zerren) und der ruhige Rausschmeißer ‚My Task Is Done’ runden eine superbe Scheibe ab, die übrigens in eine interessante Konzeptstory eingebettet wurde.

Hier stimmt wirklich alles, angefangen bei den Songs über eine druckvolle Produktion, eine geniale Story bis hin zum von Kristian Wahlin mal wieder perfekt illustrierten Coverartwork. „Grand Materia“ gehört in jeden Haushalt, ohne Wenn und aber!

Michael Meyer






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