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25th Anniversary: Best Of Re-Recorded

Label: SPV (2003)

Danny Joe Brown (vocals, harp), Duane Roland (guitar), Steve Holland (guitar), Dave Hlubek (guitar), Banner Thomas (bass) und Bruce Crump (drums) gründeten Mitte der 70er Jahre eine Southern Rock Band, die im Jahre 1978 ihre Debut LP auf den Markt brachte. Der Name der Band: Molly Hatchet. Man erspielte sich mit der Drei-Gitarren-Armee einen Ruf als härteste Southern Rock Formation einen brillanten Namen und veröffentlichte Klassiker auf Klassiker. Schnitt.

Phil McCormack (vocals), Bobby Ingram (guitar), Russ Maxwell (guitar), John Galvin (keyboards), J.J. Strickland (Bass) und Shawn Beamer (drums) spielen 2003 eine CD ein, die an die großartigsten Momente erinnert. Der Name dieser Band: Molly Hatchet. Stop. Bitte lest die Namen der Bandmitglieder nochmals durch und vergleicht die oben mit denen unten. Na, was fällt Euch auf? Richtig! Kein einziges Grndungsmitglied ist mehr dabei. Der dienstälteste ist mittlerweile John Galvin, der seit 1984 in Diensten der Kapelle steht, danach kommt Bobby Ingram (seit ca. 1989) und der Rest der Band tummelt sich erst seit kurzer Zeit in dieser Truppe. Schon merkwrdig, wenn eine Ansammlung von Menschen, die bei den wegweisenden Scheiben der axtschwingenden Dame (bis „No Guts No Glory“ absolutes Muss für jeden Hard’n’Heavy-Freak!!!!!) zum Teil noch im väterlichen Rückenmark unterwegs war 25jähriges Jubiläum feiert!

Doch genug damit, kommen wir zur Musik. Die Vorlagen, die es anzugehen galt, waren nichts weniger als geniale Songs, die nur durch eine miserable Umsetzung zu entehren gewesen wären. Nun ist aber Bobby Ingram, egal ob Gründungsmitglied oder nicht, ein herausragender Gitarrist und phantastischer Musiker. Außerdem lebt er mehr in den Sounds der 80er und 90er Jahre, so dass das Ergebnis der Neuaufnahmen tatsächlich einer Frischzellenkur gleichkommt. Das ursprnliche Southern-Feeling bleibt zwar erhalten, jedoch sind die Countryelemente deutlich zugunsten von Metaleinflssen zurückgetreten. Die Stimme von McCormack ist ohnehin fast nicht von der Danny Joe Browns zu unterscheiden und die Modernismen beziehen sich nahezu ausschließlich auf den Härtegrad der Songs. Übrigens wurde nur Material aus der Zeit bis „Lightning Strikes Twice“ aufgenommen da das neuere Songmaterial ohnehin von der gleichen Besetzung eingespielt worden ist.

Bleibt unterm Strich festzuhalten, dass sich „25th Anniversary“ sehr als Soundtrack für längere Autofahrten anbietet. Ob solche Scheiben allerdings wirklich sein müssen bleibt zu hinterfragen. Genau wie die Konzeption einer Band, die keine Originalmitglieder mehr in ihren Reihen hat. Dieser Sachverhalt trieb vor ein paar Jahre übrigens so groteske Blüten, dass die kurzfristig wiedervereinten Originalmitglieder (plus Interimssänger Jimmie Farrar) aus rechtlichen Gründen nur als „Dixie Jam Band“ auftreten durften, und die „Coverband“ mittlerweile die Namensrechte besitzt...Aber nichtsdestotrotz machen Bobby Ingram und Co auch live eine hervorragende Figur, so dass der Unterschied zu den echten Molly Hatchet-Musikern der 70er und 80er Jahre gar nicht auffällt, sobald man die Augen schließt!

Frank Scheuermann






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