Reviews

Inspiration

Label: SPV (2003)

Sollte SPV auf die Idee kommen, den kompletten Backkatalog des schwedischen Meisters auf einen Schlag wiederzuveröffentlichen, dürfte in der nächsten Zeit ob der stolzen Zahl seiner Veröffentlichungen eine Menge Arbeit auf den Autor dieser Zeilen zukommen! Kurz nach dem Re-Release von „Magnum Opus“ wurde das gefräßige Maul meines Briefkastens neben Rechnungen mit 2 weiteren Malmsteen-Alben gestopft: neben dem hier zu reviewenden Cover-Album „Inspiriation“, auf dem - der Titel lässt es wohl schon erahnen - sich 11 Interpretationen von Bands befinden, die Malmsteen zu seinem Schaffen inspiriert haben, soll auch noch der Re-Release zu „The Seventh Sign“ bewertet werden.

Aber wenden wir uns erstmal „Inspiration“ zu! Normalerweise sind Cover- und Tribute-Platten ein zweischneidiges Schwert; entweder hält sich eine Band zu sehr an die Vorlagen, um bloß den Spirit des Originals zu erhalten, was zugegebenermaßen meist recht langweilig ist! Auf der anderen Seite gibt es Acts, die die Songs ihrer Helden so verändern, dass sie nicht wiedererkannt werden, was zugegebenermaßen meist recht beschissen klingt (Ausnahmen wie Nevermore’s Interpretation des Simon And Garfunkel-Hits ‚The Sound Of Silence’ bestätigen natürlich die Regel)! Und so geht man mit ziemlich gemischten Gefühlen an die Arbeit…und wird erstmal gegen die Wand geblastet!!!

Was Malmsteen mit Hilfe solcher Leute wie Joe Lynn Turner, Mark Boals, Jeff Scott Soto (allesamt Ausnahmesänger vor dem Herrn!), Anders Johansson (Drums), seinem bei Stratovarius tätigen Bruder Jens Johansson, der sich mit Könnern wie Mats Olausson und David Rosenthal die Tastentöne teilt und Marcel Jacob am Bass, sowie Co-Produzent Chris Tsangarides hier geleistet hat, dürfte allen Musikern, denen hier gehuldigt wird, die grauen (bzw. nicht mehr vorhandenen) Haare ins Gesicht wehen. Ok, Jimi Hendrix mal ausgenommen…RIP! Gleich der Opener „Carry On Wayward Son“ (Kansas) fesselt einen dermaßen an den Stuhl und übertrifft sogar die Dream Theater-Version auf dem ‚Change Of Seasons’-Kracher. Weiter geht´s mit dem Blackmore-Doppelpack „Pictures Of Home“ (Purple) bzw. “Gates Of Babylon” (Rainbow), 2 Stücke, die im Original schon Götterstatus besitzen und auch durch die Neuinterpretationen nichts von ihrem ursprünglichen Spirit verloren haben; daß Blackmore wohl der größte Einfluß auf Yngwie Malmsteen hatte, zeigt allein die Tatsache, dass neben oben erwähnter Songs noch 3 weitere von Blackmore komponierte Songs auf Inspiration auftauchen, darunter natürlich auch die Göttergabe „Child In Time“, die mir bei jedem Hören eine neue Gänsehaut auf den Körper zaubert! Allein das Solo im letzten Part lässt mir immer wieder die Kauleiste auf Höhe der Kniekehle fallen…meine Fresse, einfach nur noch geil!!! „The Sails Of Charon“ (Scorpions, damals noch mit Uli John Roth) dürfte jedem ‚Wind Of Change’-Mitpfeifer klarmachen, dass die Scorps nicht immer so beschissen wie heute waren, und früher mal richtig gut rocken konnten!

Übrigens zeigt Yngwie, dass er nicht nur das Gitarrespielen beherrscht, sondern auch ein respektabler Sänger ist! Sein rauerer Gesangsstil passt besser zu dem Hendrix-Smasher ‚Manic Depression’ als die cleane Stimmbandakrobatik von Turner, Boals oder Soto.

Wie sicher schon herauszulesen ist, haben wir es hier mit einer besseren, wenn nicht sogar richtig geilen Zusammenstellung alter Klassiker zu tun, auch wenn sich sicher wieder einige beschweren werden, dass Malmsteen alles zufiedelt! Aber wen kümmert’s? Wer ausnahmsweise mal keinen Bock hat, sich immer nur Coverversionen von alten Maiden-, Slayer- oder Metallica-Schoten zu geben, sollte auf jeden Fall mal in „Inspiration“ reinhorchen!

Michael Meyer






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