Reviews

Zombieland

Label: Napalm Records (2014)

Mit „Zombieland“ legen die Jungs von Megaherz das mittlerweile 8. Studioalbum vor. Bei so einer langen Bandkarriere liegt die ein oder andere Stilkorrektur ja nahe, dennoch muss ich sagen, dass mich das vorliegende Album überrascht hat.

Auch wenn der Titel und das Cover es nahelegen, so spielen Zombieapokalypse und Überlebenskampf inhaltlich praktisch keine Rolle auf dem Album. Selbst der titelgebende Opener greift das Bild lediglich als Metapher für geistige Leere auf und präsentiert ein bisschen Gesellschaftskritik. Tiefschürfend wird es dabei nicht, aber ehrlich gesagt dürfte man das jetzt auch nicht wirklich erwartet haben.
„Himmelsstürmer“ präsentiert dann schon eine Überraschung der anderen Art. Nach dem Einstieg, der mich an Peter Schillings „Major Tom“ denken ließ, aber immerhin noch recht fetzig daherkam, folgen ungewöhnt poppige Klänge.
Ein Ausreißer? Nein, auch „Für immer“ und „Roter Mond“ folgen einem ähnlichem Grundmuster: vergleichsweise sanft, melodisch und deutlich mehr (Synthie-)Pop als Neue Deutsche Härte.
Also gar kein Megaherz-Feeling mehr? Nun, glücklicherweise schließt sich an das ebenfalls eher sanfte „Wir könnten Götter sein“ eine Reihe Songs an, die die Erwartungshaltung schon eher treffen. „Lieblingsfeind“ ist ein klassisch gehaltener Megaherz-Track, auch „Fanatisch“, „Schwarzer Engel“ und „Unter Strom“ bieten mehr Wumms. Anmerken muss man allerdings, dass man „Fanatisch“ die Rammstein-Anleihen mehr als nur oberflächlich ansieht. „Gegen den Wind“ und „Hurra wir leben noch“ kann man hier schlecht miteinbeziehen, da es sich um Neuauflagen bereits erschienener Lieder handelt. Den Abschluss bildet „Frei“, das ebenfalls zwischen energetischem Refrain und eher sanftem Liedtext pendelt.

Darf sich eine Band neu erfinden? Meiner Meinung nach durchaus. Es stellt sich mir allerdings die Frage, ob sich Megaherz mit der gegenwärtigen Marschrichtung einen Gefallen tun. Bislang waren die Jungs immerhin ein Aushängeschild der Neuen Deutschen Härte. Klanglich bewegt man sich nun davon weg – das kann man respektieren. Es stellt sich jedoch die Frage, wie man sich dann von anderen etablierten Gruppen der sanfteren Richtung abgrenzen will. Durch vielschichtige Texte tut man es nämlich (zumindest noch) nicht.

Für klassische Megaherz-Fans lässt sich eine Kaufempfehlung kaum mit gutem Gewissen aussprechen. Zumindest ein ausführliches Probehören (vor allem durch die ersten Tracks) scheint angeraten. Wer eine offene Einstellung hat, der mag der Wertung noch einen halben bis einen Punkt hinzufügen.

6,5/10

KoJe






Musicload