Reviews

The Greater Thirst

Label: Perennity Records (2013)

Eine Seefahrt die ist lustig – sofern man nicht ins Kielwasser eines größeren Dampfers gerät. Exakt mit diesem Problem haben die Schweden von Mary Fay bei ihrer EP doch arg zu kämpfen. Auch wenn man (bewusst?) die Vergleichedose nicht aufmacht, kommt man nicht umhin, stilistische Anklänge – um es mal dezent auszudrücken – zu bemerken. Etwa an The Rasmus oder 30 Seconds to Mars. Und wenn die punkigeren Klänge ausgepackt werden, hört man durchaus auch Parallelen zu Billy Talent. Na und? Richtig, alles kein Beinbruch. Allerdings kommt man nicht umhin, sich die Frage zu stellen, was einen Hörer der genannten Gruppen zu Mary Fay treiben sollte. Eines ist klar: avantgardistische Experimente sollte man nicht erwarten.
Was nicht heißen soll, dass die Schweden eine schlechte Leistung abliefern. Gerade das Finish kann überzeugen, ohne gleich überproduziert daherzukommen. Und auch in Punkto Instrumentenbeherrschung und Textgestaltung kann man nun wirklich keinen groben Schnitzer finden. Warum auch, handelt es sich doch um altbewährte Erfolgsrezepte. Womit wir auch schon beim Knackpunkt wären: das Feld wurde eben schon seit zig Jahren beackert und somit fällt es schwer, Mary Fay aus der Masse herauszuheben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man hier einen Ticken zu nah dran ist am Mainstream.
Bliebe aber immer noch der geneigte Hörer, der mal andere Kost abseits der altbekannten Bands will. Womit wir zum zweiten und wesentlich fataleren Fehler kommen, der für mich auch die recht niedrige Bewertung begründet: die Releasepolitik.
Denn die EP ist nur eine von dreien (so weit, so gut), die sich allerdings denn auch auf dem kommenden Album finden wird. Abseits der Hardcore-Fangemeinde dürfte sich aber kaum jemand finden, der bereit ist, doppelt Geld zu löhnen. Denn dass sich neben dem dann bereits bekannten Material ein ausreichend geldwerter Mehrwert auf dem Album findet, zweifle ich an dieser Stelle einfach mal massiv an (nicht aufgrund der Qualität, sondern schlicht aus rechnerischen Gründen – so viel Platz bleibt neben ca. 12 Songs auch auf einem Langeisen nicht).
Damit bleibt als Fazit nur zu sagen:
Wer neue Namen sucht, ohne gleich stilistische Experimente zu wagen, dem sei Mary Fay ans Herz gelegt – in Form des wohl bald erscheinenden neuen Albums. Den Kauf der EP kann ich vor den erwähnten Hintergründen nicht wirklich empfehlen.

5/10

KoJe






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