Reviews

Beyond Wonderland

Label: Out Of Line Records (2013)

 

An Adaptionen zu Lewis Carrolls Welt mangelt es ja beileibe nicht. Und so mag es verständlich sein, dass meine erste Reaktion auf das Konzept ein eher gequältes „Nicht schon wieder!“ war. Das war zugegebenermaßen vor dem Probehören. Inzwischen bin ich davon überzeugt: Der gute Herr Meinhard ist mindestens so „bonkers“ wie Lewis Carroll selbst – im positiven Sinne.


Die erste Erkenntnis in dieser Richtung kommt schon nach wenigen Songs. Dann nämlich, wenn man meint, man könne die Stilrichtung festlegen. „Hey, das klingt ja ganz wie xy!“ Was man hier für xy einsetzt, ist eigentlich fast schon beliebig: ASP, Subway to Sally, Camouflage – denn im nächsten Song stellt man ja doch fest, dass da noch mehr dahinter steckt. Die Bandbreite geht von 80er-Synthiepop über „klassischen“ düstereren Gothik bis hin zu mittelalterlich anmutenden Klängen. Und so setzt sich bald die Erkenntnis durch, dass Meinhard hier nicht einfach nur die Erfolgsrezepte der „Großen“ klaut und kopiert, sondern musikalisch geschickt zitiert – nur um im nächsten Song alle Erwartungen über den Haufen zu werfen und zu sagen „Nö, das bin ich auch nicht!“ Einziger Wermutstropfen für mich: die Einordnung als Gothic Rock kann allenfalls als Platzhalter für das gelten, was Meinhard abliefert – aber alles aufzuzählen, was hier vorhanden ist, ist einfach nicht drin.
Überrascht hat mich auch Meinhards Spiel mit der Sprache. Klar, gemischte Lyrics gab es auch schon vorher, doch wo sich andere Bands damit zufrieden geben, auch mal ein Lied auf Deutsch (bei deutschsprachigen Gruppen entsprechend Englisch) zu singen, oder a la KMFDM oder Krupps ein paar deutsche Wörter einzuflechten, geht Meinhard noch weiter und kombiniert munter deutsche und englische Passagen. Bei „Mr. White Rabbit“ kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie gut das klappt.


Insgesamt eine klare Kaufansage. Selten habe ich in letzter Zeit eine Scheibe im Player gehabt, die einerseits solche Laune machte und andererseits immer wieder mit neuen Stilen überraschen konnte. Einzige Warnung am Schluss: Meinhard mag durchgeknallt sein, aber auf eine sehr fröhliche Art und Weise. Wer ein dunkelschwarzes, depressives Album sucht, der mache hier einen weiten Bogen, alle anderen, die mit Alternativer Musik diverser Spielart liebäugeln, sollten zumindest mal reinhören: es lohnt sich.

KoJe






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