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The Orgel Has Landed

Label: SPV (2008)

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist bekanntlich fließend. Und Mambo Kurt ist ein amtlich gemeldeter Bewohner dieses Grenzstreifens. Mit seinen bisherigen Veröffentlichungen hat er von vielen Menschen in punkto Geduld alles gefordert, andere jedoch himmlisch beschert. Das vorliegende Dokument "The Orgel Has Landed" ist der Beweis dafür, dass man mit absurder Komik im Metal-Lager durchaus punkten kann. Die DVD wurde im Festzelt des größten Metal Open Airs weltweit mitgeschnitten, während sich auf der Hauptbühne eine ehemalige deutsche Hardrock und Metalinstitution (die Scorps) um Glaubwürdigkeit bemühte. Der Auftritt des Alleinunterhalters from Hell fiel geradezu sensationell aus.

Um die versammelte Headbangerschar des Wacken 2006 gleich auf seine Seite zu ziehen, zeigte der Alleskönner an der Heimorgel gleich zu Beginn, wie die Basspedale funktionieren. Neben einem Par Force Ritt durch die Geschichte von Hardrock und Heavy Metal, gibt es noch Predigten für die Sache der Heimorgel im Allgemeinen und im Speziellen und andere absurd-monströse Meisterleistungen des Mannes, bei dem man sich zwangsläufig fragt: Was ist bescheidener: Die Orgelkünste oder die vokalen Fähigkeiten? Aber dass diese Fragestellung in die Irre führt weiß jeder Kenner des Mambo Kurtschen Oeuvres. Es ist nicht so sehr die Frage wie denn die Songs intoniert werden. Alleine die Frechheit, Slayer und Metallica auf diesem Schlagerinstrument zu spielen, trägt schon die Absolution in sich!

Und wenn man dann noch hört, wie 'Enter Sandman' zur Melodie des Schneewalzers verhackstückt wird, dann kommt man nicht umhin, die Genialität Mambo Kurts im Banalen zu verehren. Zugegeben: Hätte Mambo Kurt ein ähnliches Programm im ZDF Fernsehgarten zum Besten gegeben, wäre es an Peinlichkeit nicht zu toppen gewesen. Aber wenn man die Tausenden von Metalheads sieht, wie sie sich zu Kurtis Heimorgelklängen selbst feiern, dann steht einem die Kinnlade auf Halbmast. Schon alleine der Anblick von unzähligen Headbangern in der kollektiven Polonaise zum abschließenden 'Musik ist Trumpf' aus der gleichnamigen Fernsehshow der 70er Jahre mit Peter Frankenfeld, verweist sämtliche Kritiker auf die Plätze und erhebt Mambo Kurt zur Kultfigur der Selbstironie deutscher Metaller. Die einzige Frage, die sich mir hierbei stellt: Konnten norwegische Black Metaller, die sich zufällig in dieses Zelt verlaufen haben, mit der Darbietung auch etwas anfangen? Wie auch immer: Witziger kann das kaum werden! Danke Kurt!

Frank Scheuermann 






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