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Fables & Dreams

Label: Frontiers Records (2004)

DJ Bobo, Shakra und Gotthard – so lauten nach meinem Dafürhalten die bekanntesten musikalischen Exportschlager aus dem Lande der Ricola Erfinder. Vielleicht mag das auch ein Grund dafür sein, warum mir die Existenz einer Band namens Lunatica bisweilen nicht bekannt war, immerhin besteht die Formation nun auch schon geschlagene 6 Jahre. „Atlantis“ lautete der Titel das 2001er Debüts, dessen Name auch charakteristisch für den Stil der Schweizer steht: Anmutig, geheimnisvoll, hymnisch, kurzum: Symphonic Metal.

„Fables & Dreams“ lautet der Nachfolger, der von keinem geringeren als Sascha Paeth produziert wurde (u. a. Edguy, Kamelot, Rhapsody). Spricht man über oben genannte Stilrichtung, kommt man natürlich am Marktführer Nightwish nicht drum herum. Ähnlichkeiten sind durchaus zu erkennen, aber bestenfalls mit deren Debüt „Angels Fall First.“ Die Musik von Lunatica ist weniger bombastisch, die Songs durchgehend im Midtempobereich angesiedelt und regen somit eher zum träumen als zum bangen an. Obwohl die Band zwei Gitarristen hat, regiert songdienliches Spiel über Selbstdarstellung. Die Soli sind zumeist ebenfalls den Tracks angemessen nicht in Warp Geschwindigkeit gespielt, sondern gefallen eher durch schöne Melodien (z. B. ‚The Neverending Story’). Die Hymnenhaftigkeit geht zu 100% auf das Konto der Keys, die zwar ohne Zweifel die Songs prägen aber nicht überstrapazieren. Was der Band zudem ein eigenes Profil verschafft ist die Tatsache, dass die Stimme von Andrea Dätwyler nicht mit deren anderer Sängerinnen des Genres konkurriert. Vocals wie jene finden sich zumeist eher im Pop Bereich wieder und sind somit weit entfernt von klassischen Interpretinnen wie Tarja Turunen, Sabine Edelsbacher oder einer Floor Jansen. Schwache Tracks sind nicht auszumachen, sodass man „Fables & Dreams“ bedenkenlos durchlaufen lassen kann. Mein persönlicher Favorit ist ,Silent Scream (2004)’, dass man sich, da mit sehr viel Schwung, Temperament und einem starken Chrous ausgestattet, immer wieder reinziehen muss. Nicht minder schlecht ist auch der Opener ,Avalon’, die eigene Umsetzung von ,Hymn’ (auch vertreten auf der „Vain Glory Opera“ von Edguy) oder der letzte Track ,A Little Moment Of Desperation’, bei dem manch einer wohl auch das Tanzbein schwingen wird. Last But Not Least rundet die Ballade ,Fable Of Dreams’ eine rundum gelungene Scheibe gebührend ab.

Mr. Spock würde urteilen: faszinierend. Lunatica bringen mit ihrem Album frischen Wind in den Bude, absolut empfehlenswert.

Oliver Bender






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