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Celebration Day

Label: Atlantic Records (2012)

Led Zeppelin sind wahrscheinlich die beste Band aller Zeiten. Keine andere Formation verstand es jemals so, unterschiedliche Einflüsse zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden, wie die vier Briten. Alle ihre Alben sind Legende, die triumphale Bandgeschichte, genauso wie die Tragödien, der Hype und die mysteriösen Geschichten, die sich um Gitarrist Jimmy Page und sein Interesse an okkulten Themen ranken.

Daher war es nicht überraschend, dass, als die Band  2007 die Gerüchte bestätigte, wonach man ein einmaliges Reunion Konzert in der Londoner 02 Arena plante, Anfragen für insgesamt 20 Millionen (!) Tickets getätigt wurden. Dabei gibt es eine noch weit größere Dunkelziffer der Personen, welche die Band gerne auch gesehen hätten, sich aber schon im Voraus der Unwahrscheinlichkeit bewusst waren, zu den wenigen Glücklichen zu gehören, denen ein Ticket zuteil werden würde. Nun ist der Tag gekommen, der von all diesen Menschen herbeigesehnt worden ist: Die Bild- und Tonkonserve dieses Abends liegt vor.

Zunächst einmal die angenehme Überraschung: Die Musiker John Paul Jones (Bass & Keyboards), Jimmy Page (Gitarre),  Robert Plant (Gesang) und Jason Bonham (Drums), Sohn des 1980 verstorbenen Urschlagzeugers John Bonham, zeigen sich altersgemäß in körperlicher Bestform, was vor allem bei Jimmy Pages schon legendären, jahrzehntelangem Drogenkonsum verwunderlich scheint. Auch Robert Plant ist weit besser bei Stimme, als man es ihm zugetraut hätte.

Die Band spielt sich schlafwandlerisch durch ein Programm, wie man es von dieser Band erwarten konnte. Dabei finden sich mit 'Good Times, Bad Times', 'Ramble On' und 'For Your Life' drei faustdicke Überraschungen. Mir fehlten leider einige Großtaten wie 'Achilles Last Stand', 'Tangerine', 'Over The Hills And Far Away' oder 'Going To California', aber man kann ja schließlich nicht alles haben.

Die Songs sind sehr tight gespielt, allerdings fallen viele der Songs (vor allem 'Dazed And Confused' und 'Whole Lotta Love') dramatisch kürzer aus, als man es von Liveversionen aus den 70er Jahren kennt, wo man auch gerne einmal die 30-Minuten-Marke geknackt hat. Highlights für mich sind das mystische 'No Quarter' mit seinen fulminanten Keyboard und Gitarrensoli, und das göttliche 'Kashmir'.

Die Schnitte bei der DVD bzw. Blu Ray sind ein wenig hektisch, ganz so, als wollte das Produktionsteam zeigen, wie viele Kameras man im Einsatz hatte. Der Sound ist gut, auch wenn man durchaus im Jahre 2012 noch höhere Ansprüche hätte stellen dürfen. Etwas chaotisch kommt die Auslieferung in den unterschiedlichsten Formaten (2CD, 2CD + Blu Ray, 2CD + DVD, 2CD + Blu Ray + Bonus DVD, 2CD + 2DVD, Audio Blu Ray, Download und ab Januar noch als 3LP) daher. Aber so ist das eben, wenn man alle Geschmäcker in gleichem Maße bedienen will. Im Booklet hätte man sich vielleicht noch mehr Informationen und einige zusätzliche Bilder gewünscht, aber auch so ist "Celebration Day" (dass ausgerechnet der Titelsong nicht gespielt wurde!) ein mehr als ansprechendes Package. Auf der Bonus DVD befindet sich übrigens die spartanisch mitgeschnittene Probesession aus den Shepperton Studios, in denen schon Uriah Heep 1974 eine Show mitschneiden ließen.

Leider war es das dann wohl endgültig mit dieser wegweisenden Band, da Robert Plant allen Angeboten, die ihm bislang für eine neue Tour oder gar eine neue Platte unterbreitet worden sind, eine deutliche Absage erteilt hat. Dann trösten wir uns eben mit dem, was wir haben. Und der musikalische Nachlass dieser Band ist sowieso reicher, als alles, was andere in einer viel längeren Schaffensphase erreicht haben oder je erreichen könnten.

Frank Scheuermann






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