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God & Guns

Label: Roadrunner Records (2009)

Man mag es kaum glauben, aber Lynyrd Skynyrd - oder was von ihnen geblieben ist - melden sich im Jahre 2009 noch einmal zurück. Von den Urmitgliedern sind nur noch Gary Rossington und Ricky Medlocke dabei, wobei letzterer als Drummer bei den frühesten Aufnahmen begann, danach ausstieg, als Gitarrist bei Blackfoot auftauchte und erst vor einem guten Jahrzehnt den Weg zurück zu seiner ersten Band fand.

Was bieten Lynyrd Skynyrd nach dem Ableben / Ausscheiden von Leon Wilkeson, Billy Powell, Allen Collins, Ronnie Van Zandt, Steve & Cassie Gaines und Ed King? Nun, sie spielen den Southern Rock eine Ecke härter als je zuvor. Zu diesem Umstand trägt wohl vor allem das bittere Fehlen von Billy Powell bei, dessen lockeres Pianospiel die zum Teil harten und fetten Gitarrenriffs der Gitarrenarmee locker konterkariert hat. Somit hat sich ein Teil des typisch coolen Southern Rock Feelings verloren. Ausnahme, das wohl als Hommage gedachte 'Southern Ways', in das - ähnlich Kid Rocks Würdigung - Zitate aus 'Sweet Home Alabama' engestreut sind. Trotzdem ist das grundsätzliche Musikverständnis geblieben und eine Annäherung an poppige Gefilde hat (im Gegensatz zu 38 Special) nicht stattgefunden.

Johnny van Zandt singt über die Dinge, die echten bodenständigen Amerikanern am wichtigsten sind: Mit dem Jungen Fischen gehen, die kleinen Freuden des Lebens und die Verbundenheit mit Gott und dem heimischen Boden. Mein Ding ist das auch nicht, aber die Amerikaner wissen es wohl nicht besser. Musikalisch ist hier alles im grünen Bereich. Die schon bewährte Gitarrenarmada bestehend aus Gary Rossington, Ricky Medlocke (ex-Blackfoot) und Hughie Thomasson (ex-Outlaws) agiert souverän und lässt mich persönlich den nächsten Sonnenuntergang herbeisehnen, damit ich endlich Jolly Jumper satteln und "I'm a poor lonesome cowboy and a far way from home..." singen kann.

Frank Scheuermann