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Rock Your Face Off

Label: Edel (2014)

Satte 33 Jahre ist es her, dass ich mein schwerverdientes Taschengeld in die Rheinelektra trug, um mir die erste Scheibe einer damals noch völlig unbekannten Band zuzulegen: Kix. Im Jahr 1981 lief die Platte bei mir rauf und runter und wurde lediglich von MSG II, Killers (Iron Maiden), Point Of Entry (Judas Priest) und Warhead (More) getoppt. Von Anfang an liebte ich diesen räudigen Sound, irgendwo zwischen AC/DC, Faces und Brownsville Station. Damals waren alle im Metal-Fieber und somit stand ich mit einer kauzigen Rock'n'Roll Band mit Bluesroots und Punk Attitude gemischt mit Bubblegumsounds zumindest in meinem Freundeskreis ziemlich alleine auf weiter Flur. Als die 80er voranschritten, wurden Kix plötzlich als das gesehen, was sie wirklich waren: Wichtige Wegbereiter des Glam Metal und Sleaze Rock. Ihr stetig zunehmender Erfolg hielt sich dann bis zum Beginn der 90er Jahre, als plötzlich im Zuge der Grungebewegung die Leute anscheinend die Schnauze voll hatten von Musikern, die sich offen dazu bekannten, dass sie gerne Spaß hatten und Parties feierten. Folgerichtig erschien dann 1994 die vorläufig letzte Studioplatte dieser knarzigen Partyrocker.

Einige Jahre lang wr wirklich völlige Funkstille, aber nach der Jahrtausendwende reckte plötzlich das alte Biest zunächst zögerlich seinen gutgelaunten Kopf und die Band begann langsam wieder, in ihrer Heimatstadt Gigs zu spielen. Im Jahre 2012 erschien dann das erste Lebszeichen auf Tonträger in fast zwei Dekaden, "Live in Baltimore". Die nicht erkennbar gealterte Band, die zu 80% in Originalbesetzung antrat (lediglich Bassist Mark Schenker war frisch dazu gekommen), lieferte eine begeisternde Comebackshow ab, die sich nicht vor viel bekannteren Genrekollegen verstecken muss.

Nun, nach satten 20 Jahren, erscheint dieser Tage die erste neue Studioscheibe des Party-Fünfers. Wie nicht anders zu erwarten, kracht derber Rock'n'Roll aus jedem Song und das Wechselspiel der beiden Gitarristen Ronnie Younkins und Brian Forsythe ist nichts anderes als wundervoll. Wo Ronnie seiner fett, schwer und doch so elegant klingenden Gibson Les Paul Powerchords und filigrane Soli entlockt, da zaubert Brian mit seiner twangy Fender Telecaster ein passendes Gegengewicht, das dem Bandgefüge die notwendige Lockerheit und Luftigkeit verpasst.

Inhaltlich hat sich bei den Kix Songs Gott sei Danks definitiv nichts geändert: Es geht immer noch um Party, schnelle Autos und scharfe Frauen. Oberflächlich? Vielleicht, aber sind es nicht genau diese Elemente, die das Leben eines jungen Menschen so aufgregend machen? Wenn ich depressive Miesepeter hören will (und wann will ich das eigentlich?????), dann greife ich eben zu Pearl Jam und Konsorten. Wenn es krachen soll, dann sind fortan wieder Kix Teil der 1. Liga! Willkommen zurück!

Frank Scheuermann

9/10






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