Reviews

Zarkov Protocols Vol. 1

Label: Eigenproduktion (2004)

Was für ein Bandname, Motörhead goes Jefferson Starship oder was? Nicht ganz, es ist viel größer, es ist das erste von drei Alben einer Trilogie, die sich mit den Abenteuern des Wissenschaftlers Zarkov befasst, der in klingonische Gefangenschaft geraten war und nun zur Erde zurückgekehrt ist. Interessanter Weise hat er Aufnahmen von klingonischer Musik von den Sternen mitgebracht und nutzt diese zur Illustration seiner Geschichte. Einiges davon hat er wohl netterweise übersetzt und neu eingesungen, da nicht nur, aber meist in klingonischer Sprache gesungen wird. Ein interessantes Werk also, das vielleicht Aufschluss über den Zustand der klingonischen Metalszene geben und damit auch ungeahnte neue Impulse in die terranische einfließen lassen kann?

Leider nein, denn die Songstrukturen sind doch sehr irdisch, allerdings durch einen Drumcomputer und Synthesizer werden spacige Klangwelten geschaffen, bei denen die geliebte E-Gitarre nur eines unter vielen ist. Wenig hart sondern eher aus der Elektro/Wave-Szene stammend, sind gar vielleicht Erdlinge Vorbilder der Musiker aus der mächtigen Klingonenrasse? Gerade die Mitte des letzten Jahrzehnts hat es den Aliens scheinbar angetan, als Bands wie Depressive Age und (softere) Konsorten, den Metal, um ein düsteres Spektrum erweiterten und Verbindungen zu achtziger Frühelektropionieren schufen. Das schien den Musikern gerade recht zu sein, die nun wohl weniger auf Metalparties als in den düsteren Tanzschuppen, wo alle schwarz mit einem Hauch schwarz bevorzugen, zu hören sein werden. Eher ruhige Klangteppiche, gebrochen von gesprochenen Passagen des Wissenschaftlers sind die Grundbausteine des Konzeptes. Mag es für des Metallers Ohren manchmal gar absonderlich klingen, ein Dark Wave Trekkie sollte hier richtig sein. Wer Luke Skywalker bevorzugt, darf einfach lächeln, über interessante Blüten deutscher Musikkultur.

Christian Kremp






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