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Raise

Label: Drakkar (2005)

Allmählich scheint sich in der französischen Metal-Szene doch was zu tun, erblicken dort doch immer mehr Bands das Licht der Welt. Im Gegensatz zur Vergangenheit, in der französische Bands oftmals aufgrund sehr bedingt vorhandener Qualität belächelt wurde (kennt noch jemand Heavenly?), so scheint sich in diesen Tagen doch vermehrt was zu tun. Das vermehrte Auftauchen französischer Acts nun aber als inflationär zu bezeichnen, wäre dann doch etwas übertrieben, aber mit Karelia erbringt wieder einmal eine junge Band den Beweis, dass hin und wieder wenigstens doch ein gelungener Export das Licht der Welt erblickt!

Der elsässische Fünfer spielt eine Art des Metals, die dem Hörer normalerweise entweder ein kieferausrenkendes Gähnen entlockt oder ihm puren Ekel ins Gesicht zaubert: Symphonic Metal. Wer jetzt jedoch den Eindruck hat, die immer pathetischeren und…ähem…ekligeren Rhapsody hätten verlorene Geschwister wiedergetroffen, darf beruhigt aufatmen. Vom Pathos der Italiener ist man glücklicherweise weit entfernt. Vielmehr scheinen Acts wie Nightwish einen gewissen Eindruck hinterlassen zu haben. Allerdings haben Karelia nicht den Fehler gemacht, die Vocals von einer Opern-Else einträllern zu lassen, sondern setzen auf den angenehmen Gesang ihres Fronters Mathieu Kleiber, der hin und wieder spährlich von einer „normal“ singenden Gastsängerin unterstützt wird („Child Has Gone“). Um sich weiterhin abzuheben, hat man auf Uptempo-Songs weitestgehend verzichtet und bewegt sich in fast schon episch-getragenem Tempo. Natürlich wurde auf  Doublebass ebenso verzichtet wie auf orchestrale Keyboards und Chor-Arrangements nicht verzichtet (beispielsweise das mit melancholischen Untertönen versehene „Breakdown), allerdings überragen keine unbezwingbaren Keyboardteppiche die sehr gelungenen Gitarrenspuren, sondern fügen sich nahtlos ins Songgefüge ein.

Der nächste Unterschied zu den genannten Bands liegt in den Texten; anstatt den tausendsten Drachen zu bezwingen (Rhapsody) oder in Poesie zu schwelgen (Nightwish), setzt man sich lieber mit dem heutigen Weltgeschehen bzw. mit geschichtlichen Themen auseinander. Während der Titelsong mit integrierter Hitler-Rede das wohl dunkelste Kapitel deutscher Geschichte behandelt, setzt sich das von orientalischen Klängen eingeleitete „Cross & Crescend“ beispielsweise mit dem Wahnsinn im Nahen Osten auseinander.

Musik und Texte passen von der Stimmung her perfekt zusammen und ergeben ein Ganzes, das nach intensiver Beschäftigung verlangt. Wer „Raise“ nur als Hintergrundberieselung gebraucht, wird die vielen Details der Songs nicht erfassen. Wer sich jedoch die Mühe macht, in den Klangozean Karelia´s einzutauchen, wird diesen so schnell nicht mehr verlassen wollen. Sehr cooles Album, das von einer richtig geilen Coverversion von Pink Floyd´s Hit „High Hopes“ stilecht abgerundet wird.

Michael Meyer






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