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Traces

Label: Cool & Easy (2009)

Vor zwei Jahren starb Peter Panka, der Schlagzeuger, Sänger und die Seele von dieser Version der deutschen (Hard-)Rocklegende Jane. Die letzten Jahre waren häufig geprägt durch die Streitereien der ehemaligen Freunde und Musikkollegen Panka einerseits und Klaus Hess andererseits, der mit seinem Konkurrenzunternehmen Mother Jane ebenfalls nicht ganz untätig war. Nun habe wahrscheinlich nicht nur ich gehofft, dass mit dem viel zu frühen Ableben von Peter Panka wenigstens die Weichen auf Versöhnung gestellt sein könnten und dass dann diese Band wieder vereint durch die Clubs dieser Republik ziehen könnte. Aber nein. Kurz nach dem Tribute Konzert für Peter Panka trennte sich auch Werner Nadolny, Keyboarder und Saxophonist, von der Band und seitdem sind sogar drei Formationen dieser Band in deutschen Landen unterwegs! Das könnte schon fast für das Guinness Buch der Rekorde reichen! Klaus Hess hatte in diesem Jahr schon vorgelegt, Werner Nadolny's Jane ebenfalls, so war es nun an der Zeit, dass auch Peter Pankas Jane (ohne Peter) ein neues Lebenszeichen von sich geben.

Als Ersatzmann am Schlagzeug hat man sich einen mindestens gleichwertigen Ersatz in Fritz Randow zugelegt. Der ehemalige Epitaph, Eloy und Saxon Drummer stellt eine echte Verstärkung dar, der auch die schleppende Spielweise des Originals ein wenig aufpeppt. Den Gesang teilen sich Charly Maucher (Bass), der dieser Pflicht schon einmal auf einer Platte in den 70er Jahren nachgekommen ist und Arndt Schulz. Wenn wir den Gesang erwähnen, so sind wir schon beim einzigen echten Schwachpunkt der Platte angelangt. Seit den frühen 70er Jahren habe ich bei keiner deutschen Band mehr ein dermaßen erbärmliches Schulenglisch gehört (das toppt sogar noch Frank Bornemanns "When se mighty sons of se spheres beyon..." aus "Poseidon's Creation", einem ansonsten göttlichen Song!). Aber darauf wollen wir jetzt nicht weiter herumreiten.

Die Musik ist groß. Sehr groß! Für Jane Verhältnisse sind die Stücke recht hart und treibend geraten, sicherlich auch der Einfluss von Fritz Randow auf die Platte. Und die guten Nummern werden nicht mal einfach so am Anfang verschossen. Der Spannungsbogen bleibt bis zum abschließenden 'Northern Lights' erhalten. Produktionstechnisch ist alles im mehr als grünen Bereich. Die Platte ist äußerst transparent und druckvoll geraten und die Gitarrenarbeit von ex-Epitaph-Klampfer Klaus Walz ist mehr als exquisit, zumal es zuweilen wundervolle Verzahnungen mit dem Spiel des zweiten Gitarristen Arndt Schulz gibt. In einem Song gibt es sogar Anklänge an Bon Jovi, aber Ihr müsst schon selbst heraushören, welche Nummer ich meine...

Abgesehen vom Gesang, an den man sich allerdings spätestens beim dritten Hördurchgang gewöhnt hat bietet "Traces" traditionelle Rockmusik auf höchstem Niveau. Da mag der eine oder andere vielleicht sagen "das ist nicht mehr Jane", aber es ist allemal hervorragende Musik. Mir will die Platte jedenfalls seit mindestens einer Woche nicht mehr aus dem CD-Player raus. Und das will bei meiner üppigen Sammlung schon etwas heißen!

Frank Scheuermann






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