Reviews

Es ist Juli

Label: Universal (2004)

Der Sommerhit ‚Perfekte Welle’ hat der Band um Frontfrau Eva Briegel den wohlverdienten Durchbruch beschert, doch bis dahin war es ein langer Weg für das Giessener Quintett, denn erst vor einigen Jahren entdeckte man die Deutsche Sprache für sich, zuvor schreib die Band auf englisch und zog unter dem Namen Sunnyglade durch die Landen. Nun kennt sie jeder unter dem neuen Namen Juli, der genau wie ihre Musik das Gefühl von warmen Sommernächten verkörpert. Mal schauen ob das Debütalbum „Es ist Juli“ (es ist Ende September) den kommenden Herbst ein wenig erwärmen kann…

Mit dem ersten Titel ‚Warum’ präsentieren sich Juli vom Start weg von ihrer melancholisch rockigen Seite, die ihnen wirklich sehr gut steht. Mal bestimmen gefühlvolle Keyboard- mal schön riffige Gitarren-Parts den Opener, alles scheint perfekt auf Evas zartes Stimmchen zugeschnitten zu sein. Der wunderbar eingängige und verträumte Refrain der ‚Sterne’, untermauert die Wahl einer Frontfrau, eine maskuline Stimme kann wohl nie so viel Gefühl in den Gesang legen. Die erste Singleveröffentlichung ‚Perfekte Welle’ klingt wohl noch jedem im Ohr nach, deshalb erübrig sich ein redaktioneller Beitrag. Der wohl zweite Single-Output ‚Geile Zeit’ hingegen wird noch für Aufsehen sorgen, denn der Song drückt enorm auf die Tränendrüse. Ähnlich herzzerreißend gehen Juli in der Ballade ‚November’ zu Werke. Akustische Gitarren und Evas unheimlich einfühlsame Gesangsarrangements sorgen für mächtig Gänsehaut. ‚Anders’ hingegen ist etwas komplett anderes, hier hauen die Mannen, die Frontfrau Eva umgeben, ordentlich in die Saiten und Felle und zeigen Sparten-Nachbarn wie den Helden mal wo der Hammer hängt. Eine richtig ordentliche Rocknummer. Auch in ‚Kurz vor der Sonne’ dominieren herrlich rockende Gitarren das Klangbild, doch was kommt denn da nach dem zweiten Ohrwurm-Chorus? Kurzer Hand wird ein skantastischer Part mit Sprachgesang, Reggae-Feeling und Blechblasinstrumenten eingefügt, einfach nur cool. Mit ‚Ich verschwinde’ gibt es noch mal eine schön melancholische Halbballade geboten, die mich stellenweise an die ruhigen Nummern von Evanescence erinnern. Den ruhigen Schlusspunkt setzt allerdings ‚Wenn Du lachst’, der den Zuhörer alles andere als zum Lachen bringt, denn Klavier und Gesang verbreiten bei dieser Ballade eine tieftraurige Stimmung. Eine knappe dreiviertel Stunde richtig guter deutscher Rockmucke, mit gelegentlich recht poppig klingenden Balladen geht zu Ende. Ich muss gestehen, dass ich der Band anfangs recht skeptisch gegenüberstand, aber Songs wie ‚Anders’ oder ‚Warum’ konnten mich doch von der Qualität der Giessener Newcomer überzeugen. Vergesst den Charthit ‚Perfekte Welle’, das Album „Es ist Juli“ hat viel mehr zu bieten.

Nils Manegold