Reviews

Rising In The East DVD

Label: Rhino Records (2006)

Im Jahre 2004 war es also soweit: Die von vielen erwartetet und sehnsüchtige herbeigesehnte Reunion mit Rob Halford war perfekt. Ich für meinen Teil konnte nie verstehen, warum dessen Nachfolger Ripper Owens nie vollends akzeptierte. Natürlich waren die Alben mit seiner Beteiligung kein Renner, aber daran war die ganze Band beteiligt; ‚Auch wenn manche der Meinung sein mögen, Halford schreibt die besseren Gesangslinien, so war der Ripper von der Stimme her über jeden Zweifel erhaben, was man von Halford nicht mehr uneingeschränkt behaupten kann. Wie dem auch sei: Iced Earth haben sich über einen neuen Sänger gefreut und Priest touren wieder im Original Line-Up. Das man nun komplett mit dem „Übergangssänger“ abgeschlossen hat, zeigt auch die Setlist, in der kein Stück aus der „Ripper Ära“ zu finden ist. Die mir vorliegende Live DVD wurde 2005 in Toyko im Budokan aufgenommen, womit sich der Kreis schließt; an Ort und Stelle wurde vor 26 Jahren  auch das erste Live Album „Unleashed In The East“ aufgenommen.

Die DVD enthält den kompletten Konzertmitschnitt und das war’s dann auch schon. An anderer Stelle heißt es immer so schön, es hätte mehr Bonusmaterial sein können. Diese Diskussionen wollte man wohl verhindern und hat gleich komplett darauf verzichtet. Und wenn es nur ein Interview gewesen wäre. Aber nichts dergleichen, also stürzen wir uns gleich ins Getümmel. Welche Magie nach wie vor von Priest ausgeht, zeigt sich schon gleich zu Beginn der Show, in der kein einziger Zuschauer sitzt, obwohl die Halle bestuhlt war. Wer kann da auch schon sitzen bleiben? Die Band beeindruckte während dieses Gigs vor allem mit überdimensionalen Bühnenbildern. Allem voran dem Cover des letzten Albums „Angel Of Retribution“, das wahrhaftig einen gelungenen Blickfänger darstellte. Neben den üblichen Fackeln und Lichteffekten präsentiert sich auch die Band in gewohnter Spiellaune: Ian Hill bleibt seinem Prinzip des Standmusikers weiterhin treu, Scott Travis jongliert, wirft  und schwingt seine Taktstöcke souverän während das Gitarrenduo Downing und Tipton mit der Routine von über 30 Jahren Rockgeschäft den Auftritt enthusiastisch (Downing) und erhaben (Tipton) genießt. Glücklicherweise unterscheidet sich die Songauswahl etwas deutlicher von den letzten Live Alben, was natürlich auch mit dem letzten Release zu tun hat. „Angel Of Retribution“ ist gleich mit 4 Songs vertreten, die sich alle recht gut machen, wobei ich ,Judas Is Rising“ herausheben möchte. Auch wenn natürlich die bekannten Kracher wie ,Metal Gods’ ,Living After Midnight’ oder ,Breaking The Law’ nicht fehlen dürfen, so erfreuen an dieser Stelle auch Stücke wie I’m A Rocker’ oder ,Riding With The Wind’, die ebenfalls für Heavy Metal at its best stehen. Kommen wir aber nun zu dem neuen alten Frontmann Rob Halford. Über die komplette Spielzeit betrachtet macht er seinen Job recht gut. Beeindruckend wie er nach wie vor einen Song wie ,Riding On The Wind’ interpretiert’, ebenso wie die kurzen aber hohen Passagen bei dem Klassiker ,Touch Of Evil’, für die sogar Sonderapplaus erntet. ,Diamonds & Rust’ bietet ohnehin genug Spielraum, sowohl musikalisch als auch gesanglich, die hier dargebotene Version ist ebenfalls klasse und zeigt, dass Halford in den mittleren Stimmlagen nach wie vor gut dasteht. Andererseits ist der Priest Klassiker schlechthin ,Painkiller’ ein Offenbarungseid. Dieser Song wird ihm jedes mal wieder zum Verhängnis werden; hier muss man klar sagen, dieses Stück kann er einfach nicht mehr sagen. Hätte man ihm vor 15 Jahren mal vorgespielt, wie er das heute singt, hätte er es bestimmt von selbst gelassen. Insgesamt fehlt mir bei ihm einfach das Quäntchen Explosivität, das den zugegebenermaßen jüngeren Owens live auszeichnete Das ist der Preis der Reunion. Die Performance wirkt ebenfalls etwas hölzern, wobei wir wieder bei dem Thema Teleprompter wären. Die Fans scheint es bei diesem Gig jedenfalls nicht zu stören; jeder Track wird enthusiastisch mitgegrölt, auch beim Gesangkontest mit Altermeister Halford gibt das Publikum nicht nach (in dem man sogar Schlipsträger ausmachen kann). Liegt wohl auch an dem Zauber und der Erkenntnis, dass man Priest noch einmal im Original Lineup erleben durfte.

Alles in allem eine gute Show mit den bekannten und oben aufgezählten Schwächen. Das fehlende Bonusmaterial ist ärgerlich, wird aber beinharte Priestfans mit Sicherheit nicht davon abhalten, sich die erste Live Show nach der Reunion zu sichern.

Oliver Bender






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