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If
If

Label: Repertoire (1970/2017)

1970 war die Welt, vor allem die musikalische, definitiv bereit für fast jede Neuerung. Rockmusik war erwachsen geworden und hatte den üblen Stallgeruch der Teeniebeschallung abgelegt - etwas, womit sie sich heute leider wieder zu gerne bedeckt. In diesem Fahrwasser etablierten sich die Vorläufer unserer seit nunmehr Jahrzehnten etablierten Musikstile, damals alle noch recht nahe beisammen. Vom Sound und der Optik her gaben sich Hardrocker und Jazzrocker noch nicht wirklich viel, der Wechsel von einem Lager ins andere war durchaus gangbar.

Ein oder zwei Jahre zuvor hatten mutige Pioniere wie Colosseum, Nucleus oder East Of Eden als erste die Barrieren zwischen Rock, Blues und Jazz eingerissen. Nun gab es mit Catapilla und If zwei neue Vertreter des noch ganz frischen Jazzrockgenres. In Amerika hatten im Gefolge von Miles Davis' Bitches Brew Unmengen an Bands dieser Richtung gebildet, unter anderem Blood, Sweat & Tears und Chicago. If waren in diesem Kontext sehr speziell. Sie betonten trotz aller Jazzimprovisationen immer ganz stark ihre Rockwurzeln. Das machte sich recht gut, einige Platten sind mittlerweile legendär, und spätere Versionen der Band sahen sich wohl primär als Rocker. Kein Wunder, dass der Drummer später Gründungsmitglied der späteren AOR Superstars Foreigner wurde.

Die Debütscheibe "If" bietet alles, was sich der Fan progressiven Jazzrocks nur wünschen kann: Satte Bläser, dominante Gitarrensoli und eine groovende Rhythm Section. Da es die Band nie über Insiderstatus hinaus geschafft hat, ist diese überaus wohlklingende Vinylwiederveröffentlichung eine gute Chance, das Versäumte nachzuholen.

Frank Scheuermann

8/10






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