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The Crucible Of Man

Label: Steamhammer (2008)

Nicht allen Menschen erschließt sich das Jon Schaffer'sche Universum in der gleichen Qualität. Gibt es hinsichtlich der Vergangenheit kaum diskussionswürdigen Stoff, da die Qualität des Materials allgemein als hochwertig angesehen wird, so gibt es kaum eine Iced Earth Scheibe der etwas jüngeren Vergangenheit, die komplett mit offenen Armen aufgenommen worden wäre.

So entzündet sich der Streit meistens schon an der Position des Sängers. Vielen war Tim "Ripper" Owens zu gesichtslos. Allerdings glaube ich nicht, dass das Problem der beiden Scheiben, die er für Jon Schaffer eingesungen hat stimmlicher Natur war. Vielmehr gingen die Meinungen bezüglich der Qualität der Songs dramatisch auseinander. Man muss den Bandleader nur einmal nach "Gettysburg" fragen und seinen Anspruch mit der Reaktion vieler Fans vergleichen.

Nach der ersten "Something Wicked" CD, die noch vom Ripper eingesungen war, kehrte nun zur Begeisterung der alten Fans der legendäre Sänger Matt Barlow zu seiner alten Formation zurück. Nach der Anfangseuphorie, die sich mittlerweile gelegt hat, muss man feststellen, dass sich das Songwriting kaum verändert hat. Jon Schaffer bleibt seinem Stil der letzten Jahre (zum teilweise Entsetzen seiner alten Fans) treu.

In "The Crucible Of Man" spannt er den erzählerischen Bogen aus den anderen Bestandteilen der Geschichte konsequent weiter und lässt in Interviews schon verlauten, dass er beabsichtige, die gesamte Science Fiction / Fantasy-Story auch noch mit anderen Medien weiterspinnen zu wollen. Um die gesamte Saga dermaleinst in einem angemessenen homogenen Gewand präsentieren zu können, ist es derzeit sogar angedacht, die beiden CD Teile in einer Box erneut auf den Markt zu bringen und dabei auch die erste CD neu durch Matt Barlow einsingen zu lassen, ein Procedere, dem ich persönlich nichts abgewinnen kann (und das ich auch schon bei Ozzy Osbourne radikal abgelehnt hatte , als er Lee Kerslakes und Bob Daisleys Spuren der ersten beiden Alben löschen ließ, um ihnen keine Tantiemen mehr zahlen zu müssen!).

Versteht mich nicht falsch: "The Crucible Of Man" ist ein gutes und ambitioniertes Album geworden. Keine Frage. Aber an ihre alten Großtaten kommt die Band im Augenblick noch nicht wieder heran. Manchmal nehmen inhaltliche Konzepte die Musik auch zu sehr gefangen. Mich würde es freuen, wieder einmal eine Iced Earth Scheibe zu hören, die mich nicht an mein Philosophiestudium erinnert...

Trotzdem ist diese Platte immer noch bestens für alle Fans des Genres geeignet! Und natürlich für alle, die Matt Barlow wieder hören wollen!

Frank Scheuermann






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