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Back On Track

Label: Sanctuary Records (2002)

Alte Männer, Teil 3: Okay, ich tu’s: ich gebe mich der Versuchung hin, über unwiederbringliche Zeiten zu schwärmen, in denen der Begriff Hard Rock synonym mit Heavy Metal war und beides im großen Bereich des Progressive Rock beheimatet war...Damals konnte man fett abrocken und danach bedenkenlos zur Akustikgitarre greifen, ohne als MTV-Arschkriecher diffamiert zu werden. Ganz nebenbei durften echte Starkstrommusiker auch mal mit Soul und Funk experimentieren, ohne dass man ihnen gleich Anbiederei an Trends unterstellte. In dieser legendären Zeit entstand auch eine Band, welche zu einer der ersten Supergroups überhaupt werden sollte: Humble Pie. Gitarrist Peter Frampton kam von ´The Herd´, Sänger Steve Marriott von den ´Small Faces´, Bassist Greg Ridley von ´Spooky Tooth´ und Drummer Jerry Shirley von Syd Barretts Band. Frampton verließ die Kappelle schon 1971 nach der legendären Live-Platte „Rockin‘ The Filmore“ (jeder Metaller sollte sich dieses Urmonster aller Live-Platten mal reinpfeifen!!!!!!!) und wurde durch Clem Clempson (ex-Colosseum) ersetzt. Danach diverse Querelen und vor etwa einem Dutzend Jahren das endgültige Aus durch Steve Marriotts Ableben bei einem Brand in seinem Haus (is eben blöd, wenn man mit der Kippe in der Schnute einpennt...). Endgültig? Nicht ganz. Und hier betreten wir das Neuland: Mit „Back On Track“ liefern Humble Pie im Jahre 2002 eine klasse Platte ab, die alle, die nicht laut „Frevel“ schreien, in Verzückung versetzt. Humble Pie 2002 bedeutet natürlich, dass der charismatische Gesang eines Steve Marriott gar nicht erst imitiert wird. Stattdessen bietet sein Ersatz, Bobby Tench, eine grundsolide Leistung, auch als Gitarrist. Das Songmaterial ist erfrischend altmodisch und kommt mit unglaublichem Feeling daher. Man kann sich beim Anhören des Eindrucks nicht erwehren, dass die Musiker das wirklich nur noch für den Spaß machen. Damit alleine gewinnt man heute natürlich keinen Blumentopf mehr (sprich: no charts), aber es ist wohltuend inmitten von dem ganzen Einerlei der heutigen Szene. Danke für den Mut zur Reunion - auch ohne Steve!

Frank Scheuermann






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